Bipolar Architecture – Metaphysicize

| 2. Februar 2024 | 0 Comments
Bipolar Architecture

(c) Bipolar Architecture

2020 – in einem Jahr voller Enden nahm die Geschichte von Bipolar Architecture ihren Anfang. Das deutsch-türkische Quartett mit Lebensmittelpunkten in Berlin und Istanbul erhob sich aus der Asche von Heretic Soul, dachte deren Death-Metal-Ansatz aber deutlich progressiver weiter, von Djent über Post Rock bis hin zu Hardcore. Etwa eineinhalb Jahre nach dem starken Einstand „Depressionland“ ist die Band bei Pelagic gelandet – die ideale Heimat für den neuen Koloss „Metaphysicize“.

Das wuchtige, brutale und doch ausgeklügelte „Death Of The Architect“ bringt das Wundervolle wie Wundersame dieser Band in knapp sechs Minuten auf den Punkt. Ein ominöses und doch zart melodisches Intro täuscht, denn dahinter ziehen finstere Wolken auf, begleitet von ausgesuchter Brachialgewalt. Hier schimmern die Wurzeln des Quartetts am besten durch, gleichzeitig von aufregenden Spannungsbögen durchzogen und somit vermehrt in Richtung Breach steuernd. Dort fühlt sich auch „Alienated“ wohl, das direkt mit der sprichwörtlichen Tür ins Haus fällt, jedoch in den Zäsuren erst so richtig zu glänzen vermag. Die komplette Reduktion im Mittelteil erkundet packende Melodik, bevor der nächste Blackened-Death-Husarenritt folgt.

Auch in „Immor(t)al“ darf es gut und gerne mal in Richtung Ballerburg gehen, wenngleich etwas seltener. Bipolar Architectur widmen sich konzentriert verschiedensten Post-Genres, üben den gekonnten Spannungsaufbau und verstehen es, extremste Katharsis im richtigen Moment loszulassen. Der eröffnende Titelsong hört sich stellenweise wie eine wunderbar räudige Fanfare der Anderweltlichkeit. Wenn hier kaputte Djent-Rhythmik durchkommt und in der zweiten Hälfte mit dissonanten, zugleich ansatzweise hymnischen Momenten kollidiert, ist im besten Sinne alles eitel.

Hier herrscht konstante Hochspannung, ohne auch nur im Geringsten in Richtung Überstrapazierung zu gehen: Gekonnt verstehen es Bipolar Architecture, sich am musikalischen Maximum, am brachialen Anschlag zu orientieren, tun das allerdings stets auf spannende Weise – kein Lärm, nur um laut zu sein, aber auch keine Saitenhexerei des Muckertums wegen. Stattdessen baut ihr Zweitling packende Spannungsbögen mit erstaunlicher Genauigkeit auf. „Metaphysicize“ verbindet Brachiales mit der feinen Klinge und mitreißenden Post-Rock-Untertönen – proggig und irgendwie harmonisch zugleich, selbst wenn gerade wieder einmal das Hackbeil kreist. Mit diesem anspruchsvollen Leckerbissen beißen sich Bipolar Architecture endgültig im Kleinhirn fest.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 02.02.2024
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/bipolararchitecture

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Category: Magazin, Reviews

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