TRNA – Istok

| 31. August 2021 | 0 Comments
TRNA

(c) Maria Nemm

Die Suche nach der perfekten Stimmung trägt TRNA durch monolithische Tracks. Das Trio aus St. Petersburg, 2013 aus Princ Persii hervorgegangen, fühlt sich von verträumter Musik inspiriert, die sie mit gebührender Härte kreuzt. Blackgaze, Post Rock, Post Black Metal und cineastische Soundtrack-Atmosphäre geben sich die teils knüppelharte Klinke in die Hand. Auf „Istok“ entdecken sie das große Nichts im überwältigen Alltag für sich und finden dort wohlige Ruhe.

Wobei der Begriff ‚Ruhe‘ mit Vorsicht zu genießen ist, denn die instrumentalen Gebilde nehmen teils unwahrscheinliche Fahrt auf. So tastet sich „Burning Bridges, Shattered Dreams“ gefühlt zögerlich und fragil voran, nur um urplötzlich durch die sprichwörtliche Decke zu gehen und harsche Sprints vorzubereiten. Über die nächsten neun Minuten arbeiten TRNA an apokalyptischen und zugleich aufwühlenden Visionen, die zwischen rasender Wut und feiner Gaze-Klinge pendeln. Und das, ohne auch nur ein einziges Wort zu verlieren.

Ganz sprachlos wollen die Russen nicht bleiben und holen sich für „Shining“ Gaerea ins Studio. Gutturale, durch Mark und Bein fahrende Growls treffen auf die hoffnungsvolle Melodik puristischer Blackgaze-Ansätze und kollidieren auf spektakuläre Weise. Der Widerspruch in sich breitet sich über knapp 13 Minuten immer wieder aus, sich durch sämtliche Zäsuren ziehend. Als kleinen Bonus gibt es den Track auch ohne Vocals. Ein weiterer Leckerbissen ist der eröffnende Titeltrack, der sich noch tiefer in Post-Rock- und Post-Metal-Gefilde vorwagt, intensive Pausen setzt und wiederholt alles einreißt, bevor Pech und Schwefel mit melodischen Fragmenten kollidieren.

Mehr als eine Stunde Musik lässt atemlos zurück. Die Art und Weise, wie TRNA ihre Songs konstruieren, welche Liebe zum Detail sie an den Tag legen, ringt höchsten Respekt ab. „Istok“ scheint oberflächlich bloß eine weitere Blackgaze- bzw. Post-Black-Metal-Platte zu sein, doch wird diese Abkanzelung den Qualitäten dieses Albums und dieser Band nicht gerecht. Cleveres Klangdesign und ein aufwühlendes Aufflackern von Hoffnung und Erleichterung inmitten des zermürbenden Chaos des irdischen Seins gehen im besten Sinne nahe. Wo auch immer dieses „Istok“ liegen mag, man möchte nie wieder fortgehen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.09.2021
Erhältlich über: Candlelight Records

Facebook: www.facebook.com/trnaband

Slider-Pic (c) Maria Nemm

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Category: Magazin, Reviews

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