Mountaineer – Bloodletting

| 19. Mai 2020 | 0 Comments
Mountaineer

(c) Lifeforce Records

Gleich zwei neue Gitarristen, Isaac Rigler und Forrest Harvey der Doom-Band Daxma, schlossen sich Mountaineer nach dem Release ihres zweiten Albums „Passages“ an. Die Live-Pause konnte beendet werden, zudem fanden sich neue Stimmen im Songwriting-Mix. Für den Nachfolger widmet man sich nun dem Konzept des Neuanfangs, verabschiedet sich von verschiedenen Aspekten und Personen aus der Vergangenheit, und bricht in die Zukunft auf. Die Auslegung dieser Idee variiert von Bandmitglied zu Bandmitglied, so heißt es von Seiten des Quintetts, die gemeinsame Platte „Bloodletting“ schlägt dafür auf unvermittelte Weise ein.

Das neue Line-up arbeitet mit vertrauten Klängen – Post Metal, Post Rock, Shoegaze – und zusätzlicher Intensität. Gerade der doomige Anteil konnte stark ausgebaut werden, so auch im herrlich wuchtigen „Shot Through With Sunlight“ zu hören. Es scheint eine ganze Weile zu dauern, bis Mountaineer auf den Punkt kommen, doch steckt hinter diesem vermeintlichen Vorgeplänkel Methode. Die wütenden, rohen Schreie wirken in diesem Umfeld erst recht grandios, die kurze Zäsur zwischendurch weiß zu bewegen. Im Gegensatz dazu deutet der Titelsong „Bloodletting“ den konstanten Anschlag an, nur um die Post-Wand mit klarem Gesang zu durchbrechen.

Sind Mountaineer eine Spur düsterer geworden? Das lässt sich nicht so einfach sagen – viel mehr wurde an den Reglern geschraubt und für zusätzliche Power gesorgt. Ein „The Weeds I Have Tended“ bleibt fast durchgehend dem Wutausbruch nahe, baut vereinzelte Schreie ein und lässt doch bleiernen Schönklang durch die Boxen fahren. Diese Form von Gaze-Metal kommt im Rausschmeißer „Still“ ähnlich gut durch. Mit „South To Infinity“ setzt es zudem ein richtig fieses, voluminöses Mammut, das gleich mehrere Eskalationsstufen zündet. Auch hier finden die US-Amerikaner immer wieder zurück zur Harmonie, wenngleich mit einem angenehmen Batzen Melancholie angereichert.

Der Neuzugang zweier Doom-Gitarristen ist auf „Bloodletting“ nicht zu überhören – und zwar im besten Sinne. Rigler und Harvey verleihen Mountaineer eine neue Dimension, schrauben an den Extremen und erhöhen das Drucklevel greifbar. Das Ergebnis hört sich deutlich intensiver und wuchtiger, spielt geschickt mit dicken Melodieteppichen und flirtet zudem mit beißender Wucht. „Bloodletting“ nimmt das Beste der beiden bisherigen Mountaineer-Platten mit und mischt etwas Beton darunter – eine tolle, aufwühlende und dezent selbstzerstörerische Erfahrung.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.05.2020
Erhältlich über: Lifeforce Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/mountaineerbayarea

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Category: Magazin, Reviews

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