Mountaineer – Sirens & Slumber

| 17. Mai 2017 | 0 Comments
Mountaineer

(c) Lifeforce Records

Männer, die auf Schuhe starren – bevorzugt ihre eigenen. Zwar mag es Mountaineer erst seit Ende 2015 geben, das Quintett aus der Bay Area, wo einst Thrash Metal entstand, hat jedoch bereits einen Lifeforce-Deal eingetütet und surft auf einer dicken Hype-Welle. Ihr Sound ist wahrlich alles andere als neu: Shoegaze, Post Rock und ein wenig Post Metal erinnern an Junius und Red Sparowes. „Sirens & Slumber“ ist jedoch viel mehr als die Summe der einzelnen Teile und könnte eines der besten Debüts des Jahres werden.

Große Gefühle, rohe Energie und ein insgesamt herrlich verwaschenes Klangbild begleiten diesen zuweilen unerwartet spektakulären Einstand. Über das kurze, knackige „Foam“ hangeln sich Mountaineer mitten rein in dieses Album mit Vinyl-Ideallänge. „Coma Fever“ macht sogleich klar, was Sache ist. Musikalisch von aktuellen und ehemaligen Mitgliedern von Lycus, Lament Cityscape und Secrets Of The Sky ausgestaltet, tänzelt Miguel Mezas (ex-Ashes Of American Flags) Stimme über das Arrangement – einfühlsam und samtig, zugleich aber mit donnernder Präsenz. Ein wenig an relaxte Deftones erinnernd, bleibt die musikalische Wand stets im Vordergrund, der Grundtenor ist jedoch vergleichsweise ruhiger, gefühlvoller Natur.

Wer auf Wutausbrüche wartet, wird enttäuscht. Nur selten rutschen einzelne Growls durch, akzentuieren besonders heftige, intensive Passagen mit Nachdruck. Mountaineer setzen auf einen gewaltigen Wall of Sound, der in Form des zugleich wunderschönen und zerstörerischen „Fog And Distant Light“ wiederholt beeindruckt, im abschließenden „Goodnight“ mit bittersüßer Note explodiert. Als Gegenpol dazu baut „Pull The Blinds“ auf klassische Post-Rock-Strategie: langsamer Aufbau, betonte Explosion. Eine Wohltat.

Kein Gramm Fett zu viel, dafür durch die Bank bärenstarke Songs, die in ihrer Gesamtheit und auf Albumlänge nochmals deutliche Aufwertung erfahren: Was „Sirens & Slumber“ so stark macht, ist seine Präsentation. Wie aus einem Guss schwappt Gefühlswelle über Gefühlswelle an Land, über den Hörer, mitten durch den Befindlichkeitsgarten. Depressiv und euphorisch zugleich, legen Mountaineer einen Einstand nach Maß hin, der bereits den nächsten Herbst herbeisehnen lässt.

Wertung: 9/10

Erhältlich ab: 19.05.2017
Erhältlich über: Lifeforce Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/mountaineerbayarea

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Category: Magazin, Reviews

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