Posthumanbigbang – Jungle Eyes

| 19. März 2020 | 0 Comments
Posthumanbigbang

(c) Matthias Hämmerly

Das Debüt vor acht Jahren war ein kleiner Leckerbissen, danach herrschte erst einmal Stille. Remo Häberli stellte sein Herzensprojekt Posthumanbigbang erst einmal hinten an, um sich seiner eigentlichen Tätigkeit als Produzent für diverse Underground-Bands sowie als Tonmeister für Film und Fernsehen zu widmen. Alte Liebe rostet nicht, wie sich nun zeigt, und so trommelt der Schweizer nach drei Songwriting- und Produktionsjahren seine Band wieder zusammen. „Jungle Eyes“ wirft einmal mehr Post Metal, Prog Rock und ein wenig World Music in einen großen Topf.

Autobiografische Texte mitten aus dem Leben, die sich mit Krisen und deren Bewältigung – mitunter durch alte Rituale – beschäftigen, bilden das Rückgrat dieser Platte. Im Opener „Cycles“ laufen sogleich alle Fäden zusammen. Während das mystische Intro die erwähnten World-Music-Einflüsse mitnimmt, bäumt sich dahinter eine gewaltige Post-Prog-Explosion auf. Verschachtelte Rhythmik, abwechselnd Screams und bewegender Klargesang, dazu himmlische Harmonien und wütende Frontalangriffe mit einem Hauch Tool, Leprous und The Ocean – von Anfang an starker Tobak. Das folgende „Homebound II“ erhöht die Schlagzahl erst einmal, gibt sich bissig und schroff, nur um am Höhepunkt abermals hymnische Momente zuzulassen. Eine gewisse Melancholie schwingt auf angenehme Weise mit.

In weiterer Folge stellen Posthumanbigbang wiederholt Hörgewohnheiten auf den Prüfstein. Besondes gut gelingt dies der höllischen Abfahrt „Coals“, das man so wohl am ehesten von Devin Townsend erwartet hätte. Beinahe schizophrene Stimmungswechsel, urplötzliche Explosionen, klassische Prog-Rock-Soli und ellenlange World-Music-Percussion-Flächen verwirren und verzaubern. Die schiere Wucht, mit der „Bitter Tears“ zunächst aus den Boxen schießt, unterhält ebenfalls. Der Neunminüter wirkt fies, dann tanzbar, verworren, erhaben und schließlich sogar etwas psychedelisch. Im versöhnlichen „Driftwood“ nehmen die Schweizer schließlich alles umarmende Momente galore mit.

65 aufwühlende Minuten später landen Posthumanbigbang für wenige Sekunden. Verdammt viel passiert, verdammt kaputt und doch harmonisch aufbereitet. Selbst erfahrene Prog- und Post-Fans dürften an „Jungle Eyes“ zu knabbern haben, aber nicht zwingend aufgrund der global beeinflussten Percussion. Unübersichtliche Strukturen und unheimlich viele Ideen in kurzer Zeit können überfordern. Es lohnt sich allerdings, hier etwas genauer hinzuhören. Posthumanbigbang lieben Details, große Ideen und Unerwartetes. Neues und Packendes an allen Ecken und Enden, grandiose Mini-Hymnen und exzellentes Songwriting geben sich die Klinke in die Hand. Für diese kleine Perle lohnt sich sämtliches Sitzfleisch dieser Welt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.03.2020
Erhältlich über: Czar Of Crickets Productions (Soulfood Music)

Website: www.posthumanbigbang.com
Facebook: www.facebook.com/posthumanbigbang

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Category: Magazin, Reviews

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