Twins – Soon

| 10. Februar 2020 | 0 Comments
Twins

(c) Through Love Records

Die eine Hälfte hatte bislang keine Band-Erfahrung, die andere war Teil der spannenden Indie-Punks Mikrokosmos23: Twins gelten als neues heißes Eisen mit einem Sound, der sich nicht ohne weiteres in eine Schublade zwängen lässt. Post-Hardcore, Math, Noise, Indie und Screamo schwingen rund um eine Platte, an der gleich acht Plattenfirmen zwischen Deutschland, Italien, Kanada und den USA beteiligt sind. Und das ohne einen einzigen bisherigen Release. „Soon“ bringt somit ordentlich Hype mit, wird diesem selbstverständlich mehr als gerecht.

Seltsames und Sperriges geben sich in unter einen halben Stunde wiederholt die sprichwörtliche Klinke in die Hand. Da wäre beispielsweise das auf drei Abschnitte aufgeteilte „Houses“, das mit mehreren Fugazi-Druckwellen, ein wenig Anti-Noise und betont dissonanten Riff-Salven selbst At The Drive-In das Fürchten lehrt. Gerade der dritte und letzte Teil mit seinem langen, beinahe idyllischen Aufbau kommt gut, nur um im direkten Anschluss von der unorthodoxen Klangforschung „Bathroom“ ad absurdum zu führen. Hier kommt der Hang zum Intuitiven durch – wie eine Art Mini-Jam, strukturell verschachtelt und doch von einem klar spürbaren Leitgedanken getragen.

Reißbrett oder gar Schema F gibt es bei Twins nicht, stattdessen kollidieren Bauchgefühl und Bewusstsein auf wiederholte Weise. Die Stakkato-Attacken von „Library“ wirken bockig, werden von bedrohlichen und doch hoffnungsvollen Melodien in weite Ferne getragen. Hier kommt die Indie-Vergangenheit ein klein wenig durch. Das zweiteilige „Cockroaches“ lehnt sich sogar noch etwas weiter aus dem Fenster. Dynamischer Punk, verträumte Klangspähren und wütende Math-Attacken (gerade im zweiten Abschnitt) vermischen dichte Atmosphäre mit barscher Grazie.

Die Sinnfrage darf sich bei diesen zehn Tracks nicht stellen, denn sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wo Twins mit ihren verschachtelten, spontan stolpernden Arrangements eigentlich hinwollen, verursacht bloß wohlige Schmerzen. Komplette Hingabe zur Polyrhythmik, zur feinen Klinge und zur Steinbeißerei ist gefragt, wenn das deutsche Quartett die nächste Klangreise einläutet. „Soon“ – ergibt sich der Sinn des Gehörten vielleicht tatsächlich ‚bald‘, wie der Titel andeutet? Hoffentlich nicht, denn der große Reiz dieses Einstands liegt in der Suche und im konstanten Hinterfragen – ein explosives Debüt mit sympathischem Wahnsinn, großem Tatendrang und eindrucksvollem Potenzial.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.02.2020
Erhältlich über: Through Love Records (Indigo)

Facebook: www.facebook.com/TWNSband

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Category: Magazin, Reviews

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