Coilguns – Watchwinders

| 23. Oktober 2019 | 0 Comments
Coilguns

(c) Laure Ghilarducci

Wenn die DIY-Vigiliantes Coilguns ausholen, wird es gefährlich. Die Hardcore- und Metal-Chaotiker aus der Schweiz stehen für puren Wahnsinn, für ordentlich Noise und für rohe Energie jenseits etwaiger Hörerwartungen. 19 Monate nach „Millennials“ sind sie schon wieder da und werfen ihre gekonnt aggressiven Songskizzen in das weite Rund der Befindlichkeiten. „Watchwinders“ bezieht sich auf ein Aufbewahrungsbehältnis für teure Uhren, welches dessen Automatikmechanismus im Inneren erhält. Auch das Quartett befindet sich in steter Bewegung.

In knapp 41 wilden Minuten frühstücken die Schweizer diese zwölf neuen Tracks ab. Der Titelsong „Watchwinders“ gibt die Schlagzahl vor, schlägt wiederholt über die Stränge mit seinen kehligen Schreien und versucht zwischendurch eine nicht existente Ruhe zu finden. Mit gekonnter Laut-Leise-Dynamik dreht die Band am Rad und führt in das nächste Experiment. Ein „The Growing Block View“ erinnert mit seiner Bedrohlichkeit zunächst an die Blood Brothers, dann an Test-Icicles und schließlich an furiose Therapy?. Abermals brodelt es von der ersten Sekunde an, die Fingernagelbett entzündet sich von alleine.

Zwischenzeitlich eingeschobene, vogelwilde Exkurse lockern das Geschehen in bester Mathcore-Manier auf. „Urban Reserves“ dockt an chaotischen Punk-Klängen an, nur um urplötzlich abzudrehen und Galle zu spucken. Das gelingt im Übrigen auch „The Morning Shower“ prima, dessen spitzer Schrei Trommelfelle strapaziert. Ihr volles Können rufen Coilguns schließlich in den längeren, druckvollen Exkursen aus. Gerade „Subculture Encryptors“ bringt das musikalische Phänomen auf den Punkt. Blinde Wut mit Methode watet über scharfkantigen Fels und zerlegt sich selbst mit ungezügelter manischer Energie.

Ohne dieses konstante, dieses unruhige Brodeln wären Coilguns nicht Coilguns. Der Biss von „Millennials“ findet auf „Watchwinders“ eine hervorragende Fortsetzung. Die Schweizer gehen ihre neue Platte noch eine Spur frontaler und chaotischer an, lassen die Zäsuren nur selten atmen und erhöhen somit den Faktor Unberechenbarkeit deutlich. Zu jeder Zeit könnte das Pulverfass explodieren. Wenn das passiert – ein bekömmliches Happening. Und sie bewegen sich weiterhin in bestechender Form.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 25.10.2019
Erhältlich über: Hummus Records

Website: www.coilguns.ch
Facebook: www.facebook.com/coilguns

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Category: Magazin, Reviews

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