Coilguns – Millennials

| 19. März 2018 | 0 Comments
Coilguns

(c) Hummus Records

Wie chaotisch und doch kontrolliert, abgefuckt und doch einfühlsam kann eine Band eigentlich klingen? Ausnahmsweise lautet die Antwort nicht 42, sondern Coilguns. Das Schweizer Quartett versteht sich auf einen schrägen Mix aus Sludge, Mathcore und Post Metal, herrlich vertrackt und anspruchsvoll vorgetragen, auf komplett abgespacete Weise aber dennoch marginalst eingängig. Klingt seltsam? Das gilt auch für ihre neue Platte „Millennials“, die Musik als Grundlage für allerlei Experimente heranzieht.

Die eröffnende Video-Auskopplung „Anchorite“ gibt das atemberaubend hohe Tempo dieses Albums vor. Was zunächst noch ein wenig brav, wenngleich unübersichtlich, anmutet, entfaltet sich mehr und mehr zur kaputten Noise-Granate, die so auch bei Converge funktionieren könnte. Im direkten Anschluss erhöht „Directionism“ zunächst die Schlagzahl, von einigen schmerzerfüllten Schreien begleitet, nur um sich schließlich an Groove, Distortion und dicken, schlammigen Riffwänden zu versuchen, die stellenweise gar ins Schwarzemetallische abdriften – schwer greifbar und doch so stark.

Coilguns können aber auch anders, wie sie beispielsweise in „The Screening“ und „Spectrogram“ beweisen. Hier ist das Tempo über weite Strecken raus, beinahe doomige Schwere und Anti-Rhythmus diktieren das zähe Geschehen. Katastrophale Noise-Salven und unbekömmliches Blei werden zu unangenehmen Begleitern. Wieder eine Türe weiter konzentriert sich „Ménière’s“ auf die eierlegende Math-Wollmilchsau und geht gekonnt durch die Decke. „Blackboxing“ verfolgt ein ähnliches Rezept und erinnert an die Distortion-Attacken der letzten Dillinger-Platte.

39 Minuten Eskalaton – eine schwere, wenn auch sehr lohnenswerte Platte. „Millennials“ stellt der gewogenen Hörerschaft allerlei Hindernisse in den Weg und hat richtig viel Spaß daran, sich unnahbar und unzugänglich zu geben. Dabei verstecken Coilguns richtig gute Melodien und eingängige Momente in ihren Tracks, wenn man denn lange genug danach sucht. Herausgekommen ist ein Genre-spregendes Monstrum zwischen Gummitwist und Mördergrube – ein echter Leckerbissen für Freunde des gepflegten Chaos.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.03.2018
Erhältlich über: Hummus Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/coilguns

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Category: Magazin, Reviews

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