Maestus – Deliquesce

| 5. Februar 2019 | 0 Comments
Maestus

(c) code666

Während andere Bands das traditionelle Spektrum bedienen, widmen sich Maestus der düsteren, beinahe entstellten Facette von Doom Metal. Das US-Quintett arbeitet bevorzugt mit schwarzmetallischen Einflüssen, lässt aber ebenso ein wenig Theatralik zu. Ihr zweites Album „Deliquesce“ bezieht sich auf einen Zustand der Trauer und des Elends – zwei Leitmotive, die sich auch durch die Lyrics ziehen und zugleich einen Blick auf das gesellschaftliche Hier und Jetzt werfen.

Vier Tracks, jeweils jenseits der Zehn-Minuten-Marke angesiedelt, statten dieses schwer verdauliche Monstrum aus. Ausgerechnet in „The Impotence Of Hope“, der kürzeste dieser Songs, zeigen sich Maestus von ihrer interessantesten Seite. In der ersten Hälfte reduzieren sie die Blackened-Anteile, vom Gekeife abgesehen, auf ein absolutes Minimum. Klargesang legt sich über die schmerzerfüllte Aggression, selbst ein Gothic-Klavier darf mitmischen. Der furiose, etwas härtere Schlussakt, natürlich nach wie vor im Zeitlupentempo vorgetragen, trifft ebenso ins Schwarze und deutet in der Schlussminute sogar einen kurzen Sprint an.

In den übrigen Kapiteln geht es insgesamt eine Spur härter und – für Band-Verhältnisse, versteht sich – geradliniger vor sich. Der eröffenende Titelsong „Deliquesce“ folgt eine Viertelstunde lang seinem klaren Aufbau. Das Geklimpere nervt hier ein wenig, wohl weil der Kontrast zum übrigen Vortrag etwas zu krass ist, dafür gehen die bleiernen Gitarrenwände und gutturalen Growls so richtig unter die Haut. Kurzzeitige Eskalationen, monumentale Zwischenspiele und doomige Selbstaufgabe geben sich hier die Klinke in die Hand.

Einzig in den Details, wie eben unpassende Klavier-Exkurse, zu langes Verharren in Faux-Ambient-Sinnsuche und seltene ausgeleierte Riffs, verheddern sich Maestus gelegentlich, aber das soll, auf Albumlänge umgelegt, nicht so tragisch sein. „Deliquesce“ zeugt von hörbarem Wachstum, punktet mit einem über weite Strecken genialen Musikmix, bleierner Schwere, angedeuteter Brachialgewalt und viel Einfühlungsvermögen. Daran kann – und will – man sich kaum satt hören.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 08.02.2019
Erhältlich über: code666 / Aural Music (SPV)

Facebook: www.facebook.com/maestusdoom

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Category: Magazin, Reviews

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