Below The Sun – Alien World

| 29. Mai 2017 | 0 Comments
Below The Sun

(c) Temple Of Torturous

Russlands überaus vielfältige Metal-Szene schafft es viel zu selten in den Westen. Dabei hat der flächenmäßig größte Staat der Welt unheimlich viel zu bieten in jedem erdenklichen Genre. Below The Sun gelten seit geraumer Zeit als Post-Doom-Geheimtipp. Das Quartett aus Krasnojarsk in Sibirien versteckt seine Identität hinter Masken und Kutten, und lässt stattdessen die Musik für sich sprechen. Auf ihrem zweiten Studioalbum „Alien World“ verarbeiten die Russen eine Sci-Fi-Novelle von Stanislaw Lem.

Below The Sun berufen sich gleichermaßen auf Pink Floyd und Ahab, und das hört man diesen knapp 58 Minuten auch tatsächlich an. Post Metal an sich kann ein überaus episch angelegtes Genre sein. Doomige Düsternis wird zum sprichwörtlichen Tüpfelchen auf dem I. „Mirrors“ kristallisiert sich schnell als einer der stärksten Tracks heraus. Achteinhalb Minuten lang arbeitet das Quartett mit musikalischer Ebbe und Flut, mit gekonntem Spannungsauf- und abbau. Brachiales Slowfood trifft auf spröde und doch erhabene Melodien, von fiesen Growls und kleineren Husarenritten förmlich zerpflückt.

Das Prog-Faible der Russen wird unter anderem in den klaren Klängen von „Release“ deutlich. Zwar schlägt der Song zum Ende hin einen härteren Haken, das beißende und doch filigrane Gesamtpaket macht jedoch Lust auf mehr und wird in „Black Wave“ schließlich auf die Spitze getrieben. Himmlische Melodien und ein Funke Hoffnung werden laufend von kleinen, wütenden Spitzen torpediert, bevor es doch wieder zurück zum Glück geht. Mit dem Elfminüter „Black Ocean“ zu Beginn packen Below The Sun ihr gesamtes wuchtiges Spektrum in einen gewaltigen Monolithen.

Gewissermaßen steht dieser Opener exemplarisch für den Rest des Albums, das sich wellenförmig entlädt und trotz kleinerer, mitunter etwas zäher Längen stets auf Kurs bleibt. Es sind seltene und doch nicht vom Tisch zu weisende Momente, in denen sich Below The Sun tief in atmosphärische Welten einbuddeln und den Sprung zum nächsten Powerhouse etwas verschlafen. Letztlich dominiert allerdings der beeindruckende Mix aus harscher Realität und elegischen Momenten angedeuteter Prog-Schönheit, der „Alien World“ zu einer spannenden, herrlich herausfordernden Platte macht. Below The Sun lassen die Musik für sich sprechen und machen damit verdammt viel richtig.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 26.05.2017
Erhältlich über: Temple Of Torturous (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/BelowTheSunBand

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Category: Magazin, Reviews

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