Siberian – Through Ages Of Sleep

| 22. Februar 2017 | 0 Comments
Siberian

(c) Anders Persson

Der Name täuscht: Siberian kommen nicht etwa aus der russischen Tundra, sondern aus der 140.000-Einwohner-Stadt Linköping im Süden Schwedens. Gleich mit ihrem vor drei Jahre erschienenen Debütalbum begann das Trio seine Age-Trilogie. War der Einstand noch von düsteren, dystopischen Gedanken geprägt, sammeln Siberian auf „Through Ages Of Sleep“ nun ihre Träume und gehen den unterbewussten Gedankengängen dahinter auf den Grund.

Post Metal als traumforschendes Tagebuch? Hinter dieser überspitzt formulierten Idee stecken 38 mitreißende Minuten zwischen den Stühlen. Post Metal, Sludge und typisch skandinavische Metal-Sounds legen das Fundament für den Zweitling der Schweden. Nach einem kurzen Intro legt „Witness“ mit typischem Uffta-Ufftra-Rhythmus los, doch der Schein trügt. Kaum setzen die Strophen ein, kollidieren aufgebrachte Schreie mit schrillen Post-Sludge-Riffs und hibbeliger Dynamik. Die atmosphärische, ausladende zweite Hälfte wird zur semi-proggigen Suche nach dem Sinn hinter den Traumwelten.

Schnell fällt die enorme Bandbreite Siberians auf. Ein „Dirge“ erinnert beispielsweise an die etwas rockigere Seite von Mastodon, während „Anima Astray“ wütende Shouts mit leicht Tool’scher Finsternis und ätherischem Understatement kombiniert. Gerade zweiterer Track ist anfangs nur schwer greifbar, entfaltet seine Strahlkraft jedoch mit jedem Durchlauf mehr, besser. Schließlich kollidieren sämtliche Klangwelten im abschließenden Quasi-Titelsong „Age Of Sleep“. Die proggigen Gedankengänge, die Post-Metal-Atmosphäre, Sludge- und Death-Metal-Torpedos – ein zunächst überladen wirkendes, schließlich aber unterhaltsames, kathartisches Fest der Sinne.

Tatsächlich ist „Through Ages Of Sleep“ gerade bei seinen ersten zwei bis drei Durchläufen nur schwer greifbar. Mit ein wenig Zeit und Geduld fügen sich die Einzelteile jedoch auf spannende Weise zusammen. Klaustrophobe Melodien, dichte Atmosphäre und schwedische Metal-Tradition tragen Siberian durch hymnische Widersprüche und zerstörerische Selbstzweifel. Nach diesem erneuten qualitativen Schritt nach vorne darf der Abschluss der Age-Trilogie mit Spannung erwartet werden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 24.02.2017
Erhältlich über: The Sign Records (Cargo Records)

Website: www.siberian-official.com
Facebook: www.facebook.com/thebandsiberian

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Category: Magazin, Reviews

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