Swallow The Sun – Songs From The North I, II & III

| 13. November 2015 | 0 Comments
Swallow The Sun

(c) Jussi Ratilainen

Mit drei Nackenschlägen auf zu neuen Ufern: Eigentlich war das neue Swallow The Sun-Album vor zwei Jahren bereits zu 90 % fertig geschrieben, doch Unstimmigkeiten mit der alten Plattenfirma verzögerten den Gang ins Studio. Nun bei Century Media gelandet, wagen die finnischen Death-Doom-Veteranen eine Wahnsinnstat. „Songs From The North I, II & III“ ist ein Dreifachalbum geworden – eine CD im Geist der letzten Werke, eine semi-akustische Schönklang-Platte und eine Episode gefüllt mit tiefster Verzweiflung und dem wohl härtesten Material der illustren Bandgeschichte.

Vergleichsweise reguläre Kost – nämlich das, was sich auch auf den letzten Werken abgespielt hat -serviert CD1. Die gewohnte Mischung aus Doom Metal und melodischem Zeitlupen-Todesstahl im Hintergrund ist gewohnt hitverdächtig. „With You Came The Whole Of The World’s Tears“, der opulent betitelte Opener, zieht sämtliche Register zwischen zähen, gegrowlten Strophen und eingängigem Chorus mit Klargesang. Natürlich ist dieser erste Teil auch zugleich die konventionellste der drei Platten, insgesamt aber auch die stärkste. Vom melancholischen „Lost & Catatonic“ zum wütenden, gnadenlosen „Rooms And Shadows“ ist es oft nur ein Katzensprung.

Mit musikalischer Schönheit befassen sich die Finnen im zweiten Teil und setzen semi-akustische Klänge neben Streicher und gelegentlichen Frauengesang – gewöhnungsbedürftig und sicherlich nicht schlecht, insgesamt aber zahnlos. Der stete, einigermaßen freundliche Fluss von „Away“, „Autumn Fire“ und dem Titeltrack „Songs From The North“ ist anstrengend. Mies ist hier nichts, wohl aber etwas zu entschlackt. Einzig das an die netteren Alcest-Momente erinnende Finale „Before The Summer Dies“ bleibt einigermaßen hängen.

Und dann ist da noch der große Schlussakt, gesäumt von fünf überlangen Giganten und lupenreinem Funeral-Doom-Metal. So extrem und kompromisslos kennt man Swallow The Sun eigentlich nicht. Mit Tracks von neun bis 13 Minuten Spielzeit, fiesen Growls, Zeitlupentempo, melodischem Minimalismus und verkappter Härte erinnert das Material gut und gerne an die Genre-Mitbegründer Funeral. Selbst das in diesem Bereich unorthodox von hinten aufgezäumte „7 Hours Late“ hat seinen Charme, auch wenn die erste Hälfte an Komplexität nur kaum zu überbieten ist.

„Songs From The North I, II & III“ wird zur Glaubensfrage. 134 Minuten sind verdammt viel Musik, das versteht sich von selbst. Ist der Funeral-Sound bereits etwas schwierig, so werden sich gerade an der zweiten CD mit dem vielleicht schwächsten Material der Bandgeschichte die Geister scheiden. Hier zeigen sich Swallow The Sun viel zu nett. Die schier unüberschaubare Masse an neuem Stoff macht es dem Hörer nicht leicht, doch zumindest der erste Abschnitt bietet gewohnte Death-Doom-Kost vom Feinsten und auch der trostlose Abschluss ist über weite Strecken richtig stark. Selbst der in Schönheit verwelkende zweite Teil hat so manchen lichten Moment. Dennoch, etwas weniger Musik wäre wohl besser gewesen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 13.11.2015
Erhätlich über: Century Media (Universal Music)

Website: www.swallowthesun.net
Facebook: www.facebook.com/swallowthesun

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Category: Magazin, Reviews

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