Late Night Venture – Tychonians

| 18. November 2015 | 0 Comments
Late Night Venture

(c) DME

Auf ihrem dritten Album begegnen die Dänen Late Night Venture kosmischen Weiten. Für „Tychonians“, angelehnt an den Astronomen Tycho Brahe, wurde Unterground-Produzent Lasse Ballade verpflichtet, um dem deutlich schwereren, härteren Sound dieser Platte den nötigen Feinschliff zu verpassen. Unter der Berücksichtigung von Live-Bedingungen mit minimalen Overdubs entstand ein ganz spezielles Post-Rock-Werk, das mit seiner Düsternis, fiesen, wenngleich seltenen Vocals und dem mächtigen Moog weit über die grundlegenden Genre-Grenzen hinausgeht.

Das Aufeinandertreffen von Mensch und Kosmos in sechs Akten gestaltet sich spannend, roh und eindrucksvoll. Bereits das eröffnende „Stjerneborg“ zieht einen weitläufigen Spannungsbogen, der selbst duch nach zwei Minuten einsetzende, metallische Gitarren, schrille Elemente und Dissonanzen nicht erschüttert werden kann. Sperrig und doch eingängig – ein spektakulärer Aufgalopp, der jedoch neben dem folgenden „Nebula“ beinahe untergeht. Sobald der Fokus auf Melodien, erzählende Elemente, Moog-Ausflüge und die druckvolle Rhythmusabteilung wandert, ergibt sich nicht nur ein erhabenes Gesamtbild, Late Night Venture spielen sich überdies in einen narrativen Rausch.

Neben dem abschließenden, immer monumentaler werdenden „Praha“ entwickelt sich „Moon Shone On White Rock“ schnell zum Highlight dieser Platte. Mit seiner ausladenden Spielzeit von knapp unter zehn Minuten wäre dieses Kleinod an sich bereits eindrucksvoll, doch die Art und Weise, wie die Dänen diesen Track aufbauen, beeindruckt. Von den ersten krautigen Minuten mit Moog-Einschlag über einen von wenigen (Sprech-)Gesangsmomenten auf dieser Platte bis zu multiplen Ausbrüchen, interstellaren Synthi-Zäsuren und dem durchwegs metallischen Finale regiert Gänsehaut.

Beeindruckende narrative Struktur, musikalischer Tiefgang und rohes Auftreten: Late Night Ventures sind anders als ihre Post-Rock-Kollegen und wirken doch so vertraut. „Tychnoians“ spielt geschickt mit seinem Thema und dem metallisch angehauchten Underground-Aspekt, schafft kleine Klangperlen und weiß selbst in ruhigeren Momenten zu unterhalten. Vielleicht nicht durchgängig großartig, dafür über weite Strecken eine Offenbarung – auf diese fünf Dänen will in Zukunft Acht gegeben werden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 20.11.2015
Erhätlich über: DME (Nova MD)

Website: www.latenightventure.com
Facebook: www.facebook.com/latenightventure

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Category: Magazin, Reviews

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