Autumnal – The End Of The Third Day

| 15. Oktober 2014 | 0 Comments

Autumnal

Die Melancholie des Herbstes entfaltet sich auf Raten, und so verwundert es kaum, dass zwischen dem ersten und nunmehr erscheinenden zweiten Album der 1998 gegründeten Autumnal stolze acht Jahre liegen. Trotz aller augenscheinlicher Behäbigkeit haben sich die Spanier zu einer Referenzband im Melodic Doom / Dark Metal-Sektor gemausert. „The End Of The Third Day“ beschreibt nicht minder eindrucksvolle 71 Minuten lang emotionale Wirren und Explosionen im zumeist behäbigen Gewande.

Spanien würde man wohl kaum als Hafen der Melancholie vermuten – bis man an gravierende nationale Probleme, darunter die massive (Jugend-)Arbeitslosigkeit, denkt. Autumnal nehmen den Schmerz einer Nation allerdings nur musikalisch auf und romantisieren ihn in melancholischer Süße. Die acht Songs bewegen sich bevorzugt nahe oder gar jenseits der Zehn-Minuten-Marke. Sobald man den Spaniern eben jenen Platz zugesteht, kann es zuweilen spektakulär werden. Eines dieser Monster, „One Step… And The Rest Of Our Lives“, entwickelt sich zum alles überstrahlenden Stern, auch wenn die auf Albumlänge spärlich eingesetzten Growls hier zuweilen unter den Tisch gekehrt werden. Stattdessen: dichte, behäbige Melodien und die omnipräsenten Streicher, die besonders dramatische Passagen akzentuieren. Gerade das weinende Cello geht unter die Haut.

Mit dieser leicht folkigen Note wissen Autumnal zu berühren, gerade in Verbindung mit Javier De Pablos Schreien der Verzweiflung und tiefen Verletzung – ein selten eingesetztes Stilmittel, das „Resigned To Be Lived“ entsprechend besonders macht. Im Duett mit Streicher-Misanthropie entpuppt sich dieses Monster schnell als weiterer Favorit. Ähnlich berührend wird es erst wieder in der zweiten Hälfte von „Father’s Will“. Schmerzverzerrt, beinahe schrill erklingen Geigen und Violinen, beschwören den Weltenbrand herauf in bester Dornenreich-Manier, während De Pablo und Konsorten eine lange, bittersüße Abschiedsfeier zelebrieren.

Gewisse Längen und kleinere Durchhänger – gerade in den ruhigen Passagen und Überleitungen – verhindern eine höhere Bewertung, obwohl man bei einer derart stattlichen Spielzeit wohl mit einem gewissen Verschnitt rechnen muss. Stören sollte man sich an diesen Details keineswegs, denn in seiner gesamten Erscheinung ist „The End Of The Third Day“ mehr als bloß imposant, rechtfertigt beinahe sogar die schmerzhafte Wartezeit. Autumnal errichten abermals melancholisch-romantisierende Doom-Monolithen der besonders melodischen Art, stets überlang, stets voluminös, stets betörend. Besser lässt sich der Herbst kaum begrüßen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.10.2014
Erhätlich über: Cyclone Empire (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/Autumnaldoom

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Category: Magazin, Reviews

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