Shai Hulud – Reach Beyond The Sun

| 26. Februar 2013 | 0 Comments

Shai Hulud

Es ist wie verhext: Shai Hulud schaffen es einfach nicht, ein stabiles Line-Up aufzustellen. Seit ihrer Gründung 1995 haben sie es bislang auch nur auf vier Alben gebracht, einzig Gitarrist Matt Fox ist als Gründungsmitglied noch an Bord, mit Bassist Matt Fischer hat er immerhin einen Mitstreiter an seiner Seite, der den Hardcore-Heroen seit 1998 die Treue hält. Aktuell ist man mal wieder ohne Sänger unterwegs, was sich angesichts der Aufnahmen zum vierten Studioalbum „Reach Beyond The Sun“ als ungünstige Angelegenheit erwies. So griff Produzent und New Found Glory-Gitarrist Chad Gilbert, der auch auf dem ersten Shai Hulud-Album sang, kurzerhand zum Mikrophon.

Nicht nur die Personalie Chad Gilbert ist neu, auch so hat sich seit „Misanthrophy Pure“ einiges getan. Vor allem das verklausulierte, verkopfte Auftreten wurde für diese Platte ad acta gelegt und durch bissige Direktheit ersetzt. Gilbert brüllt nicht nur mächtig, er hat „Reach Beyond The Sun“ einen furztrockenen, knüppelharten Anstrich verliehen. Musikalisch gibt es sowieso nichts auszusetzen. Shai Hulud haben sich für diese Platte Zeit gelassen. Selbst so kurze, schwerfällige Songs wie „I, Saturnine“ und „To Suffer Fools“ wurden ausgiebig behandelt und optimiert. Hier ist kein Gramm Fett zu viel dran.

Eine wahre Armada an Gästen hat man sich ins Studio eingeladen. So sind mit Damien Moyal, Matt Mazzali und Geert van der Velde auf „Medicine To The Dead“ sämtliche Sänger zu hören, die an den bisherigen Shai Hulud-Alben beteiligt waren. Dazu brüllen sich unter anderem Jon Vigil (The Ghost Inside), Jay Pepito (Reign Supreme, Blacklisted) und Louis Hernandez (Alpha & Omega) neben einigen weiteren Herrschaften durch die Platte – ein interessanter Gegenpol zu den introvertierten, verletzlichen Texten. Bis man sich zu diesen vorarbeitet, dauert es ein wenig. Songs wie „Man Into Demon: And Their Faces Are Twisted With The Pain Of Living“, „Monumental Graves“ und „Reach Beyond The Sun“ sind hitverdächtige Abrissbirnen, die zuerst den Bewegungsdrang ansprechen. Das Booklet nimmt man erst später in die Hand.

„Reach Beyond The Sun“ hat jedoch eines mit seinem Vorgänger gemeinsam: es ist ein verdammter Grower. Legt man das vierte Shai Hulud-Album schon mal vorschnell beiseite, entfaltet es seine Wirkung erst nach mehreren Durchläufen, erschließt sich das oberflächlich brachiale Dickicht erst mit der Zeit. Hinter dem vermeintlich schroffen Auftreten stecken Herz(blut) und Seele, Leidenschaft und ein, wenngleich dieses Mal in reduziertem Maß auftretendes, Händchen für packende Melodien. „Reach Beyond The Sun“ explodiert auf Raten, aber es explodiert.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 15.02.2013
Erhätlich über: Metal Blade (Sony Music)

Website: www.hulud.com
Facebook: www.facebook.com/shaihuludofficial

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Category: Magazin, Reviews

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