Shai Hulud – Misanthropy Pure

| 29. Mai 2008 | 0 Comments

Shai Hulud

Um eines vorweg klar zu stellen: Shai Hulud waren niemals weg und sind auch nicht drauf und dran gewesen, sich aufzulösen. Das letzte Studioalbum „That Within Blood Ill-Tempered“ ist ganze fünf Jahre her, nach ellenlangen Touraktivitäten ist schließlich Sänger Geert van der Velde ausgestiegen, noch während Demos für eine neue Platte aufgenommen wurden. Matt Mazzali (Ex-Histamine) frisst ab sofort das Mikrophon. Drei Matts und ein Andrew haben „Misanthropy Pure“ eingespielt, gleichzeitig auch das Debüt für Metal Blade.

„Venomspreader“ eröffnet, als ob es besagte Pause nie gegeben hätte. Die Gleichung 105 Sekunden = Post-Gebolze + entspannte Breaks geht voll und ganz auf. Nahtlos geht der Track über in „The Creation Ruin“. Die stete Zäsur, eine konstante Neuorientierung auf Sekundenbasis fordert gerade in melodiösen Gefilden heraus. Nicht umsonst gelten Shai Hulud als Vorreiter des Metalcore. Davon haben sie sich zwar inzwischen wieder entfernt, aber die Mischung aus Melodie und Hardcore funktioniert immer noch. So auch in „Misanthropy Pure“, dem manischen Titeltrack. „We Who Finish Last“ will scheins immer wieder in Richtung Mitsingpart ansetzen, kann sich aber nicht so ganz entscheiden, ob das die richtige Wahl ist. Ein herausfordernder, ansprechender Zwiespalt. Vergleichsweise unspektakulär bewegt sich „Chorus Of The Dissimilar“, ein relativ typischer Midtempotrack, der vor allem von seinem herausragenden Drumming lebt.

Um diesen kleinen Schönheitsfehler auszumerzen, bedarf es schon eines richtig großen Songs wie „In The Mind And Marrow“. Manisch sägen sich die Riffs durch das Dickicht, dezente Post-Hardcore und sogar Math-Ausflüge stehen an. Das Tempo variiert konstant, überhaupt wollen sich Shai Hulud nicht festlegen. Ein richtiger Klopper ist „To Bear The Brunt Of Many Blades“ auch nicht. Fängt zwar rasend an, tankt sich aber durch unangenehm fiese Midtempo-Gebirge. Das Mini-Epos „Four Earthe“ baut zwischendurch waschechte Growls ein, lockert damit auf. Ansonsten passiert eher wenig, was „Set Your Body Ablaze“ relativ deutlich korrigieren wie kompensieren will. Hier ist das Tempo endlich wieder hoch, sogar ein klassisches Breakdown darf nicht fehlen. „Be Winged“ ist so etwas wie das letzte Aufbäumen, tankt sich gut zwei Minuten durch die komplette Bandgeschichte. Das erhabene „Cold Lord Quietus“ ist schließlich und endlich das perfekte abschließende Statement. Sechseinhalb Minuten müssen sämtliche Gefühlszustände durchwandert werden, wobei vor allem die Melodien wieder in den Mittelpunkt rücken. Ein langes Fadeout lässt die Band schließlich im Nebel verschwinden.

Wie nicht anders zu erwarten war, zeigen sich Shai Hulud auf „Misanthropy Pure“ in gewohnt starker Form. Matt Mazzalis Stimme funktioniert gut mit den kraftvollen, melodiösen Songs. Der Horizont wurde eine Spur erweitert, auch wenn man sich ab und an eine richtige Blendgranate gewünscht hätte. Dennoch, dieses Album offenbart ein gewaltiges Growerpotential. Auf dass man nicht noch einmal so lange warten muss.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.05.2008
Erhältlich über: Metal Blade (SPV)

Website: www.hulud.com
Facebook: www.facebook.com/shaihuludofficial

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Category: Magazin, Reviews

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