Caliban – I Am Nemesis

| 3. Februar 2012 | 0 Comments

Caliban

Sieht man von der EP „Coverfield“ ab, auf der Fremdkompositionen neu eingespielt wurden, ist der letzte Caliban-Release mittlerweile zweieinhalb Jahre her – für die fünf Essener eine überaus lange Zeit. Am Nachfolger von „Say Hello To Tragedy“ wurde ganze zehn Monate lang gearbeitet, was für die nach wie vor tief im Metalcore verankerten Veteranen überaus lange ist. Die Arbeit hat sich jedoch gelohnt, denn selten klangen Caliban gleichermaßen so abwechslungsreich, druckvoll und hitverdächtig. Mit anderen Worten: „I Am Nemesis“ geht als mächtiger Paukenschlag durch.

„You gotta be fucking kiddin‘ me!?“ – mit diesen ‚famous first words‘ treten Caliban im Opener „We Are The Many“ auf Anschlag durch. Unterstützt durch Mitch Lucker (Suicide Silence) und Marcus Bischoff (Heaven Shall Burn), brüllt sich Andreas Dörner durch vier wütende Minuten, getragen von peitschenden Drums und epischen Keyboard-Teppichen. Die Metal-Gemeinde erhebt ihre Stimme, Breakdown-Gewitter inklusive. Überhaupt geben sich die Essener erneut betont kritisch, womit sie das Konzept von „Say Hello To Tragedy“ fortführen. Zentrale Themen sind die Verdummung durch die Medien, Verlust, das Internet als soziale Kriegsplattform und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen.

Beklemmend aktuell ist „Dein R3.ich“ mit seinem maschinellen Auftreten. Die Keys stammen – wie auch im bissigen „The Bogeyman“ – von Marcel Neumann (We Butter The Bread With Butter), neben den Herren von As Blood Runs Black ein weiterer namhafter Gast. Hymnen setzt es im Akkord, beispielsweise die Video-Auskopplung „Memorial“, das unverschämt melodische „Edge Of Black“ oder der geniale Abschluss „Modern Warfare“, in dem Denis Schmidts Klargesang eine prominente Rolle zuteilwird. Eben solche eingängigen Momente sind rar gesät, wirken dadurch entsprechend intensiver und majestätischer. Selbst das ansonsten eher durchschnittliche „Broadcast To Damnation“ wird durch einen kurzen Moment der Klarheit deutlich aufgewertet.

Mitten im Album versteckt sich „Davy Jones“ – ein echtes Brett, das wirklich alles bietet, was Caliban stark macht. In den Strophen knüppelt das Quintett mit ungeahnter Brutalität, die sich nahe am Deathcore bewegt (die Squeals hingegen erinnern an Killswitch Engage), während Denis Schmidt für einen unerwartet eingängigen Refrain sorgt. Großes Kino ist überdies der Trivium-Mittelteil und der durch ein gesampletes „I didn’t see that coming“ eingeleitete finale Breakdown. Mehr Selbstironie geht kaum, mehr Wahnsinn ebenso nicht. Caliban merkt man auf „I Am Nemesis“ die Spielfreude förmlich an, die Texte treffen ins Schwarze, die Produktion drückt gewaltig – ein echter Grower von Album, der erst nach einigen Durchgängen so richtig zündet.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.02.2012
Erhätlich über: Century Media (EMI Music)

Website: www.calibanmetal.com
Facebook: www.facebook.com/calibanofficial

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Category: Magazin, Reviews

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