Interview mit Omnium Gatherum

| 4. November 2011 | 1 Comment

Omnium Gatherum

Die vierte Ausgabe der Neckbreaker’s Ball-Tour zieht gerade durch Europa. Neben den schwedischen Melodic Death-Pionieren Dark Tranquillity und hochkarätigen Bands wie Varg, Eluveitie, Mercenary und Gurd, sind auch die Finnen von Omnium Gatherum erstmalig mit von der Partie. Am 31.10. brachte der Tour-Tross die Wiener Arena zum Beben. Diese Gelegenheit haben wir genutzt und holten Gitarrist und Gründungsmitglied Markus Vanhala zusammen mit Sänger Jukka Pelkonen für ein ausführliches Interview vors Mikro. Neben der Sinnhaftigkeit von Halloween hatten ihr aktuelles Melo-Death-Brett „New World Shadows“ und der damit verbundene Neuanfang als Tour-Band oberste Gesprächspriorität.

Wie seid ihr auf den Bandnamen Omnium Gatherum (dt. 'Sammelsurium') gekommen?

Markus:
Wir haben die Band vor ungefähr 15 Jahren gegründet. In dieser Zeit waren lateinische Bandnamen aus irgendeinem Grund sehr angesagt. Es gab Elenium, Ensiferum, Insomnium oder Silentium. Aber das war nicht der Grund, warum wir uns für einen ähnlichen Namen entschieden haben. Wir haben einfach ein lateinisches Wörterbuch in die Hand genommen und sind auf diesen Begriff für eine Sammlung von seltsamen Dingen gestoßen. Als ich 15 Jahre alt war, war das ein echt guter Name. Jetzt ist der Name für mich nicht mehr ganz so prickelnd (lacht).

Jukka:
Das komische an der Sache ist, dass der Name seinem Ruf vorausgeeilt ist. Im Laufe der Bandgeschichte hat es einige Besetzungswechsel gegeben und somit auch eine große Anzahl von verschiedenen Leuten und Persönlichkeiten.

Markus:
Die Musik, die wir machen, ist auch eine eigene Sammlung von verschiedenen Stilrichtungen von Adult Oriented Rock über Death Metal bis hin zu Black Metal.

Jukka:
Was den Stilmix angeht, haben wir uns jedoch etwas eingeschränkt. Es ist ungefähr so wie eine Suppe mit zu vielen Gewürzen. Erst wenn du ein paar davon wieder wegnimmst, wird sie richtig gut.

Im Februar habt ihr euer fünftes Studioalbum "New World Shadows" veröffentlicht. Wie zufrieden seid ihr rückblickend mit dem Album?

Markus:
Wir sind immer noch sehr zufrieden mit der Platte. Für mich persönlich ist es das beste Album, das wir je gemacht haben. Es scheint als hätten wir die perfekte Richtung gefunden, in die wir mit Omnium Gatherum gehen wollen.

Jukka:
Das sehe ich auch so. Wir werden uns weiterhin auf diesem Weg halten und sehen, wo es uns hinführt. Ich mag das Album gerade deswegen, weil wir zum ersten Mal, abgesehen vom Schlagzeug, alles in unserem eigenen Proberaum aufgenommen haben. Das Gebäude ist ein altes, zweistöckiges Gebäude aus Holz und hat eine großartige Akustik. Den Mix und das Mastering haben wir wie schon bei „The Redshift“ Dan Swanö (Katatonia, Hypocrisy, Boodbath) überlassen.

Markus:
Wenn du normalerweise eine Platte aufnehmen willst, musst du zuerst ein Studio mieten und hast nicht so viel Zeit. Wenn du im eigenen Proberaum aufnimmst, hast du diesen Druck nicht. Wir haben jedoch denselben Engineer verpflichtet wie schon bei den letzten drei Alben. Er ist ein sehr guter Freund und ein echter Profi. Wir haben uns für „New World Shadows“ wirklich die Zeit genommen und das ist auch der Grund, warum wir immer noch wahnsinnig zufrieden damit sind.

Mit welchen Themen setzt du dich auf "New World Shadows" auseinander?

Jukka:
Auf der einen Seite ist es eine Kritik an die schnelllebige und oberflächliche Lebensweise vieler Menschen. Auf der anderen Seite ist es auch eine Art Denkmal an die eigenen Leistungen im Leben und Dinge, die man fähig ist zu erreichen. Auch wenn in den Lyrics die eine oder andere düstere Stimmung auftaucht, so vermittelt das Album im Großen und Ganzen eine positive Message. Es nervt und langweilt mich, wie depressiv ich bin, wenn es ums Schreiben der Texte geht. Normalerweise bin ich nicht so. Deshalb wollte ich mir selbst und den potentiellen Hörern treu bleiben und etwas Positives miteinbringen.

Was inspiriert dich wenn du deine Texte schreibst?

Jukka:
Generell ist es das alltägliche Leben. Natürlich gibt es auch Dinge in den Medien, die meine Aufmerksamkeit erregen, aber ich schreibe nicht über spezifische Ereignisse. Ich würde nie behaupten, dass die Medien schlecht sind. Aber die Art und Weise, wie die Medien dargestellt werden, lässt alles etwas verdreht erscheinen.

Was sind eure musikalischen Einflüsse?

Markus:
(lacht) Oh Mann! Da könnte ich jetzt echt ausholen. Die gesamte Band hört nicht sehr viel außerhalb des Metal-Genres. Dennoch ist das Spektrum sehr breitgefächert. Ich würde behaupten, dass es im Allgemeinen gute Musik ist, die uns beeinflusst.

Jukka:
Grundsätzlich beeinflusst uns alles von Journey bis Emperor.

Markus:
Aufgrund der Tatsache, dass wir auch schon eine ziemlich alte Band sind, beeinflussen wir uns auf eine Art selber. Wir hören uns unsere alten Werke an und entscheiden, was gut ist und was schlecht. Zum Beispiel haben wir uns für „The Redshift“ einer melodischeren Herangehensweise verschrieben und auf „New World Shadows“ führen wir diese Entwicklung noch weiter. Dieses Mal kamen noch diverse Progressive Rock-Elemente und Journey hinzu (lacht).

Jukka:
Wir mögen auch Bands wie Megadeth und Sepultura. Wir können vielen verschiedenen Seiten etwas abgewinnen. In unserem Fall funktioniert das bestens. Was die lyrische Inspirationsquelle angeht, lese ich sehr viel. Von Friedrich Nietzsche bis hin zu positiveren Dingen wie Selbstfindungsbücher ist da alles dabei. Der größte Einfluss für mich bleibt aber immer noch das ganze Mysterium um unsere Existenz.

Verbringt ihr manchmal Zeit damit euch Musikvideos auf Youtube anzusehen und auch die Kommentare zu den Videos zu lesen?

Jukka:
Manchmal, ja.

Markus:
Früher hab ich das öfter gemacht, aber mittlerweile langweilt es mich.

Der Grund für diese Frage führt uns wieder zurück zum Thema Genres, welches wir zuvor etwas angekratzt haben. Zu jedem Musikvideo, besonders im Metal-Bereich, gibt es immer eine enorme Diskussion über das Genre der jeweiligen Band.

Jukka:
Oh ja, das stimmt.

Wie steht ihr zu Genres?

Jukka:
Ich würde mich nicht als genreorientiert beschreiben. Wenn der Song gut ist, dann ist er gut. Es interessiert mich nicht, ob es ein verdammter Country-Song oder sonst etwas ist.

Markus:
Es ist vielleicht nicht schlecht, wenn du eine dünne, rote Trennlinie hast. Aber es ist doch total öde darüber zu streiten, ob das jetzt Death Metal ist oder nicht.

Jukka:
Wir wollen keine Barrieren um uns aufbauen. Natürlich halten wir uns an grundlegende musikalische Richtlinien, aber im Großen und Ganzen tun wir das, was uns gefällt.

Würdet ihr sagen, dass Melodic Death Metal im traditionellen Sinne ein sterbendes Genre ist?

Markus:
Stirbt dieses Genre denn nicht schon seit 1995? Es fing schon an, bevor wir die Band gegründet haben. Jeder behauptet, dass Melodic Death Metal von der Bildfläche verschwinden wird.

Jukka:
Die Leute halten bereits seit über zehn Jahren an diesem Gedanken fest, aber ich finde gerade heutzutage gibt das Genre enorme Lebenszeichen von sich. Wenn Melodic Death Metal wirklich sterben würde, dann wäre es doch schon längst nicht mehr da. Zumindest würde es sich von einer Art Mainstream-Bewegung zurück zum Underground entwickeln.

Markus:
In Finnland geht dieser Hype in der Tat langsam zurück. Vor zwei Jahren war Metal in Finnland beliebter denn je. Jeder hörte es. Ich nenne nur den Eurovision Song Contest und diverse Casting-Shows als Beispiel. Es scheint als würden sich die Dinge wieder so entwickeln, wie sie früher waren, was ich gut finde. Nur gute und echte Bands überleben.

Lasst uns etwas über die Tour reden. Wie fühlt es sich an ein Teil der Neckbreaker's Ball-Tour zu sein?

Jukka:
Es ehrt uns wirklich sehr. Es ist das erste Mal für uns und bis jetzt ist alles relaxt und stressfrei verlaufen. Du merkst sofort, dass hier Profis am Werk sind.

Markus:
Das ist die größte Tour, die wir jemals gemacht haben. Die Aufgabe des Openers ist nicht immer die dankbarste, aber die Größe der Tour war Grund genug, warum wir dabei sein wollten.

Jukka:
Wir sind zwar erst ein paar Tage auf Tour, aber die Publikumsreaktionen waren bis jetzt immer sehr gut.

Markus:
Es hat uns wirklich überrascht, wie viele Leute täglich so früh kommen, um uns zu sehen. In Finnland würde um 18:00 Uhr an einem Montag kein Mensch zu einem Metalkonzert auftauchen.

Jukka:
Ja, das wäre echt seltsam.

Warum?

Jukka:
(lacht) Keine Ahnung, Mann. Keine Ahnung.

Markus:
Es ist auch das dritte Mal, dass wir zusammen mit Dark Tranquillity auf Achse sind. Wir sind über die Jahre gute Freunde geworden und haben immer eine gute Zeit. Die Jungs von Mercenary sind auch supernett. Wir kannten uns davor nicht, aber wir reden jetzt schon von einer gemeinsamen Tour in der Zukunft.

Jukka:
Ich denke, dass die Chemie unter allen beteiligten Bands großartig ist. Keiner spielt dir etwas vor oder macht dir den Eindruck nicht willkommen zu sein. Der Vibe ist echt gut.

Wart ihr schon mal mit Bands unterwegs, mit denen ihr überhaupt nicht klar gekommen seid?

Markus:
(grinst) Ja, schon.

Jukka:
Wir waren aber nie in diesen katastrophalen Situationen, von denen man öfters hört. Wir wurden nie von den Bands, welche die Headliner-Rolle übernahmen, mies behandelt. Freunde in anderen Bands haben uns diese Horrorgeschichten von allmöglichen beschissenen Umständen erzählt. In dieser Hinsicht können wir uns aber glücklich schätzen, denn die Kacke klebt nicht an unseren Schuhen (lacht).

Markus:
Es gibt hin und wieder kleinere Spannungen, aber das ist nicht so schlimm. Besonders in den Anfangstagen hat man das Gefühl, dass jeder jeden beobachtet.

Jukka:
Diese Spannungen am Anfang kannst du in allen sozialen Events beobachten, nicht nur in der Musikszene. Wenn du neue Leute kennenlernst, herrscht immer diese kleine Spannung, die du entweder aussendest oder von anderen vermittelt bekommst. Am Ende haben wir auf allen bisherigen Tourneen immer tolle Parties gefeiert und Fotos gemacht. Das ist immer ein gutes Zeichen, dass die Tour gut verlaufen ist.

Markus:
Wir haben keine Probleme auf dieser Tour, aber wenn du einen Bus hernimmst und diesen mit einer Band aus Finnland, einer aus Schweden, einer aus Deutschland, einer aus Dänemark und einer aus der Schweiz für drei Wochen vollpackst… (lacht)

Jukka:
Die eigentliche Vorstellung davon ist eine Katastrophe, aber bis jetzt ist es großartig. Wir haben eine tolle Zeit.

Seht ihr euch als Tour-Band oder eher als Studio-Band?

Jukka:
Ich denke wir sind definitiv eine Tour-Band.

Markus:
Ja, wir lieben es live zu spielen.

Jukka:
Da wir ein Album im Februar gemacht haben, spielen wir dieses Jahr 80 Gigs. Ich denke, das sagt eine Menge aus.

Euch ist ja bestimmt nicht entgangen, dass heute Halloween ist. Wie steht ihr zu diesem Tag?

Jukka:
Für mich ist das ein Tag wie jeder andere auch.

Markus:
Ja, in Finnland feiern wir diesen Tag nicht wirklich. Die kleinen Kinder stehen drauf.

Jukka:
Es wird jedoch immer beliebter. In den 80ern und 90ern, als wir Kinder waren, feierte kein Mensch Halloween. Es war einfach dieser Tag von Übersee, von dem man in Zeitungen oder in Filmen gehört hat.

Markus:
Vielleicht sollten wir besser „Keeper Of The Seven Keys“ von einer gewissen Band spielen und feiern (lacht).

Jukka:
Ich kann es nachvollziehen, wenn es in Ländern gefeiert wird, wo das einfach eine lange Tradition ist, wie zum Beispiel auch St. Patrick’s Day. Wenn es diese Wurzeln gibt, um etwas zu feiern, dann verstehe ich das. Aber in Finnland gibt es diese nicht, deshalb sind wir auch nicht so begeistert davon. Ich denke, Halloween ist eine amerikanische Sache.

Markus:
Es ist auch eine britische Tradition. Als ich als kleiner Junge in England war habe ich beobachtet, wie man eine riesige Hexe aus Holz verbrannt hat. Das hat mich schon beeindruckt.

Jukka:
Das ist eine nette Art etwas aus der Vergangenheit zu feiern. Aber versteh mich nicht falsch: Ich verachte diesen ganzen Inquisitionsmist, wobei Menschen wirklich lebendig verbrannt wurden. Diese Leute waren die waren Hexen.

Markus:
In Finnland haben wir das Mittsommerfest namens Juhannus. Dabei verbrennen wir riesige Holzhaufen. Es ist ein alter, heidnischer Brauch, der sich zu einer christlichen Sache entwickelte. Es ist eines der größten Feste in Finnland.

Kommen wir noch ein letztes Mal auf die Band zurück. Wie sehen die weiteren Pläne für Omnium Gatherum aus?

Markus:
Dieses Jahr haben wir ja schon unser Album veröffentlicht und bereits eine Menge an Gigs absolviert. Deshalb ist es wieder an der Zeit neues Material zu schreiben.

Jukka:
Vielleicht nehmen wir ein paar Demos auf und gehen nächsten Sommer / Herbst wieder ins Studio.

Markus:
Nächstes Jahr werden wir wohl nicht so viel touren wie dieses Jahr.

Jukka:
Wir werden aber hier und da vereinzelte Gigs spielen. Dieses Jahr haben vier Tourneen gemacht, zweimal in Finnland und zweimal europaweit. Dazu sind noch ein paar Festivalgigs im Sommer gekommen. Das ist schon viel. In Finnland macht es keinen Sinn jeden Tag zu touren, zumindest für eine Band von unserem Format. Die Konzerte finden dann zum Beispiel auf einer achtwöchigen Tour für gewöhnlich von Donnerstag bis Samstag statt. Es fühlt sich wie eine lange Tour an, obwohl es insgesamt nur zwölf oder vierzehn Gigs sind.

Markus:
Mit unserem aktuellen Album scheint es, als hätten wir endlich Finnland erobert. In den nationalen Album-Charts erreichten wir den fünften Platz. Das ist schon ein tolles Gefühl.

Dann ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis sich dieser Erfolg auf den Rest Europas ausbreitet, oder?

Jukka:
Ja, das hoffen wir. Das wäre eine natürliche Entwicklung. Den Leuten gefällt das Album, also warum nicht?

Markus:
Auch wenn wir als Band schon lange existieren, so hat unser Leben als tourende Band doch erst vor drei Jahren begonnen. Wir haben gerade erst angefangen, den Virus auch außerhalb Finnlands zu verbreiten (lacht).

Jukka:
Es gab viele unglückliche Momente, die es uns als Band bis vor drei Jahren nicht erlaubten ordentlich zu touren. Dabei spielten auch die Besetzungswechsel eine maßgebliche Rolle.

Markus:
Wir mussten auch lernen, wie das Business funktioniert.

Jukka:
Nach dem ersten Album war ich zwar noch nicht in der Band, aber meiner Meinung nach hätte die Band gleich nach der Veröffentlichung auf eine lange finnische und eine ausgedehnte europäische Tour gehen sollen. Stattdessen gab es aber nur eine kurze finnische Tour, richtig?

Markus:
Ja. Wir spielten auch noch ein paar Gigs in Estland nach dem ersten Album.

Jukka:
Naja, das ist ja gerade mal auf der anderen Seite der Bucht (lacht). Im Moment ist es also wie ein Neuanfang für Omnium Gatherum als eine tourende Band.

Danke für eure Zeit und alles Gute für die weitere Zukunft.

Beide:
Vielen Dank.

Website: www.omniumgatherum.org
Facebook: www.facebook.com/omniumgatherumband

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Category: Interviews, Magazin

  • „Nur gute und echte Bands überleben“ – Na, da wollen wir mal hoffen, dass die Herren Recht behalten. Es gibt schon zu viel Musiker und Bands, egal in welchem Genre. Das Musikproduktion durch die Digitalisierung leichter geworden ist, hat der kreativen Qualität der heutigen Musik nicht immer geholfen. Ich hätte mal Bock auf ein analoges low-fi Album von Omnium Gatherum, das wär bestimmt geil.

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