Travo – Wasteland

| 27. September 2026 | 0 Comments
Travo

(c) Carolina Ribeiro

Braga ist eine Stadt der sakralen Kunst und religiösen Feste. Im Norden Portugals gelegen, hinterlässt die imposante Architektur und spirituelle Ausrichtung ihre Spuren auf so ziemlich allen gesellschaftlichen Ebenen. Während Travo alles andere als Prediger sind, lässt sich eine gewisse anderweltliche und doch geistlich angehauchte Präsentation ihrer Musik kaum von der Hand weisen. Das inzwischen bei Fuzz Club gelandete Quartett lässt ihren treibenden rockenden Psychedelic-Sound auf dem bereits vierten Album „Wasteland“ komplett ausrasten und klingt dabei so metallisch wie nie.

Diese von Liebe, Tod, Wiedergeburt, Dystopie, technologisch beeinflussten Angstzuständen und gemeinsamer Spiritualität getragene Platte wurde von T. S. Eliot Gedicht „Das wüste Land“ inspiriert; jeder der sieben Songs befasst sich mit einem anderen Abschnitt des 434 Zeilen langen poetischen Epos. Zeit wird für dieses monströse Unterfangen freilich keine verloren, denn das eröffnende „Burial“ explodiert sogleich aus den Boxen und bringt den herrlich überfordernden Sound – psychedelisch-krautige Schleifen, noisiger Punk aus der Garage und sogar eine feine Prise Thrash – direkt auf den Punkt. Travo überfordern mit einer lärmenden Monstrosität, die an giftige Lightning Bolt erinnert und im forschen Chaos immer wieder kleine, feine Hooks erkennen lässt.

Derart wüst und zerstörerisch geht es freilich nicht immer vor sich. „Way Down“ ist deutlich näher an etwaigen Erwartungen hinsichtlich psychedelisch-verträumter Entfremdung dran. Über weite Strecken lassen sich die Portugiesen einfach treiben und wandeln unwirkliche Weiten. In der zweiten Hälfte geht der Song nach und nach durch die Decke, gewinnt an Härte und Urgewalt, bis zum komplett verstrahlten Finale. An anderer Stelle strahlt „Decipher“ wundervolle Hektik inmitten kompletter Unwirtlichkeit aus. Funkelnde Störsignale und brodelnde Hektik unterstreichen die betont eigenwillige Atmosphäre, die im abschließenden Giganten „Rapture“ noch drastischer ausfallen darf. Langsames Anrollen, konstant zunehmende Intensität und ein wütender Peak sagen wortlos wirklich alles.

Nun wollen erst einmal die Gedanken sortiert werden, denn dieses Bollwerk von einem Album zwingt wiederholt beinahe in die Knie. Und das trotz ausgedehnter psychedelischer Sinnsuche, dem fast konstanten Wandeln durch verstrahlte Unendlichkeit, das doch immer wieder in wütende Aggression umschlägt. „Wasteland“ ist ohne Frage die bislang härteste, metallischste Platte von Travo, die sämtliche Regler auf Elf dreht und auf übersteuerte Überforderung setzt. Dennoch bringen die Portugiesen wieder und wieder die quasi obligatorische feine Klinge ein, lässig und locker, fast verträumt – eine mehr als trügerische Idylle, wohlgemerkt. Das vierte Album der vier Herren aus Braga zermürbt auf wundervolle Weise.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 02.10.2026
Erhältlich über: Fuzz Club

Facebook: www.facebook.com/travoband

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Category: Magazin, Reviews

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