Final Days Society – You Can

(c) Final Days Society
Eine lange Phase des Zweifelns und Unsicherheit geht vorbei: Nach dem Release von „Firestarter“ vor nahezu exakt sechs Jahren hatten Final Days Society mit kolossalen persönlichen und kreativen Hürden zu kämpfen. Bis das südschwedische Quartett wieder Land sah, sollte es eine ganze Weile dauern. Pünktlich zum 20jährigen gibt es neuen Stoff, der für sie selbst viel mehr als ’nur‘ ein neues Album ist, sondern von Beständigkeit und Durchsetzungskraft zeugt. Passend dazu auch der Titel, das lebensbejahende Motto und zugleich Schlachtruf in einem: „You Can“.
Ist „You Are“ die Fortsetzung, Erweiterung oder Anzweiflung des Albumtitels? Der überaus lebhafte, nervöse Auftakt lässt bestenfalls bedingte Rückschlüsse zu und rückt zugleich das vertraute Spiel mit musikalischen Ideen jenseits des Post-Rock-Fundaments erneut in den Fokus. Noisige Post-Hardcore-Strömungen ziehen zwei Minuten lang hibbelige Kreise, danach führt ein kompletter Bruch in deutlich harmoniebedürftigere Gefilde. Zarte Vocals tauchen wieder und wieder aus den Untiefen des Arrangements auf, ringen um Kraft und Selbstbewusstsein, während der Song langsam, aber sicher wächst. Dieser vergleichsweise klassische Aufbau zu einem gewaltigen Plateau reißt mit, lässt den Track weiter anschwellen, bevor der obligatorische Kollaps nach draußen begleitet.
An ihrer sympathischen Eigentümlichkeit haben die Schweden rein gar nichts eingebüßt und toben sich gewohnt vielschichtig aus. Wie in „Gone“, das sich schnell von Shoegaze-artigen Klängen und Indie-Gitarren in Richtung Emo-Post-Rock entwickelt und mit erstaunlicher Härte entlädt. Der relativ typische Post-Rock-Track „Not Even Death“ verfinstert sich zum Ende hin und eskaliert mit einem Hauch Screamo. „Waterfalls“ reitet hingegen Uptempo-Attacken, paart diese mit wabernder Elektronik und drängt mit seinem energischen Gesang zwischenzeitlich sogar in proggige Gefilde. Das abschließende „Jag älskar dig“ versprüht elf Minuten lang Magie und nimmt alles mit – fieberhaft, filigran, fantastisch.
Was Final Days Society hier machen, klingt weiterhin im besten Sinne eigentümlich und überaus sympathisch. Wiederholte kurze, prägnante Screamo- und Post-Hardcore-Ausritte sorgen für kleine Überraschungen, während gleichzeitig die ruhigen und eingängigen Kehrseiten der Medaille ebenso konzentriert kultiviert werden. Das verleiht dem Post Rock der Schweden eine abermals angenehm eigentümliche Note und geht weit über vermeintliche Genre-Limitierungen hinaus. Klar, über eine Stunde Musik ist eine ganze Menge Holz, doch verleitet „You Can“ förmlich dazu, sich in diese sympathische Platte zu verbeißen und jeden Spannungsaufbau, jede subtile Wendung und jedes kathartische Plateau wieder und wieder mit allen Sinnen zu genießen. Das hier ist Kopfkino für Fortgeschrittene und ein mehr als deutliches Statement einer Band, die sich zum runden Geburtstag und nach einer kleinen Talsohle wieder in starker Form zeigt.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Eigenvertrieb
Website: www.finaldayssociety.com
Facebook: www.facebook.com/finaldayssociety


Letzte Kommentare