No Terror In The Bang – Existence

(c) Aurélien Cardot
Der fortsetzende Zusammenbruch der Zivilisation und der Welt um uns herum beschäftigt Musiker aller Genres und Altersgruppen seit geraumer Zeit intensiver denn je – wer könnte es ihnen verübeln. Auch No Terror In The Bang wagen sich nun in ähnliche Sphären vor. Das Quintett aus dem französischen Rouen bemühte auf seinen beiden bisherigen Alben einen modernen, mal groovenden und mal knüppelharten Progressive-Metal-Ansatz, der unter anderem zu Vergleichen mit Jinjer und Gojira führte. Ihre neue EP „Existence“ legt den unvermeidbaren Untergang nun Schicht für Schicht offen.
Jeder der fünf Songs widmet sich einer anderen Ebene – kosmisch, physisch, gesellschaftlich, in der Umwelt und in der Finalität des Seins. Gute Laune hat da keinen Platz, wohl aber gute Musik. Hoch am Himmelszelt geht erst einmal „Moon“ auf, hat mit Space Rock jedoch nichts am Hut. Sofia Bortoluzzi läutet das Geschehen mit heiseren Screams ein, Djent und Groove machen sich breit und ziehen sich ebenso schnell wieder zurück. Die erst zurückgenommenen, dann verspielten Strophen setzen auf Klargesang, auf filigrane Melodien und legen zugleich den Grundstein für einen wechselhaften, drückenden Song. Geschicktes Spiel mit Laut-Leise-Dynamik und derbe, fast Core-artige Wände lassen Hören und Sehen vergehen.
Davon will das folgende „Heroine“ zumindest anfänglich nichts wissen, gibt sich ruhig und nachdenklich, bevor die erste kolossale Druckwelle alles zerlegt und auf einen großen, hymnischen Refrain hinarbeitet, der mit wachsender Begeisterung ausrastet. Hingegen bringt „Goat“ erst einmal eine herzhafte Portion Periphery mit, erinnert im kauzigen Aufgalopp und der warmen, feinsinnigen Melodieführung sogar ein wenig an Better Lovers, bevor der Dampfhammer erneut zuschlägt. Die beste Hook hat jedoch „Human Race Kills“, ein dramaturgisches Meisterstück mit zermürbender Intensität. Schließlich rundet „Chasm“ das Geschehen ab, ertrinkt beinahe in einer Pluralität an Stimmen und Sounds – der perfekte Soundtrack zum nahenden Ende.
Gerade einmal 20 Minuten benötigen No Terror In The Bang, um alles auf den Kopf zu stellen. Klar, die Idee hinter ihrer neuen EP ist mittlerweile alles andere als neu (wenn man vom einen oder anderen Detail absieht), doch setzen nur wenige diese so gut um wie das französische Quintett. „Existence“ stellt gekonnt vor proggige Herausforderungen, eskaliert immer wieder, nimmt in den Arm und zeigt tiefe, unüberwindbare Abgründe auf. Metallische Prog-Kunst, Core-Wahnwitz, Groove-Intensität und vertrackte Husarenritte finden auf erst schwer verdauliche, dann unheimlich packende Weise zusammen – all killer, no filler, und hoffentlich ein gutes Omen für das nächste Album.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Klonosphere Records
Website: www.noterrorinthebang.com
Facebook: www.facebook.com/noterrorinthebang


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