Marianas Rest – The Bereaved

| 13. Januar 2026 | 0 Comments
Marianas Rest

(c) Lassi Karhulahti

Der Tod ist eine hochgradig persönliche Angelegenheit und wird in einer entsprechend persönlichen Erzählung abgehandelt. Marianas Rest widmen sich der Finalität des Seins und behandeln dessen unterschiedliche Erscheinungsformen. Das finnische Death-Doom-Sextett ist nach einem Abstecher zu Napalm Records nun bei Noble Demon gelandet und stürzt sich dort in melodische, gewohnt emotional aufwählende Abhandlungen über die Herausforderungen und inneren Kämpfe der Überlebenden. „The Bereaved“ setzt auf Trauerarbeit der anspruchsvollen, intensiven Sorte.

Wie Jaakko Mäntymaas heisere Screams und Growls ab der ersten Sekunde die Luft von „Goodbyes And Good Intentions“ abklemmen und das monumentale, mit etwas Post Metal anbandelnde Arrangement sogleich auf Links drehen, kann absolut beeindruckend. Der monumentale Gigant wächst schrittweise, nimmt feinsinnige und anspruchsvolle Melodien hinzu, bevor es letztlich doch in konventionellere Gefilde geht. Ein ausgedehnter Spoken-Word-Part mittendrin weiß zu verzaubern, bevor die Band im Schlussakt erneut lautstark einsetzt. Hingegen braucht „Thank You For The Dance“ recht lang, um überhaupt in den Song zu finden. Symphonische Ansätze, greifbare Melancholie sowie etwas Gift und Galle beschwören den Abschied herauf, der hörbar schwer fällt.

„Pity The Living“ nimmt Hinterbliebene in den Arm, doch nie zu fest. Die erschütternde Intensität, rund um bewusst luftige und nachdenkliche instrumentale Einschübe angesiedelt, macht das Leben schwer. Infernale Vocals fahren durch Mark und Bein, speziell der entstellte Scream kurz vor der Drei-Minuten-Marke. Schmerz und Leid werden auf ansehnliche Weise greifbar gemacht. Hingegen geht „Divided“ relativ flott nach vorne, erinnert im besten Sinne an Omnium Gatherum und baut den anfangs ruppigen Track zu einem cineastischen Mini-Giganten auf. Das Quasi-Requiem „The Colour Of You“ mit bewegendem Klargesang und heiserem Silbenreichtum in den Strophen beschließt das Geschehen auf anmutige Weise.

Und das geschieht nach 57 Minuten emotionaler Achterbahnfahrt, wobei die Stimmung im Keller ist und bevorzugt weiter, kompromissloser abstürzen darf und soll. Kurze hoffnungsvolle Einschübe lockern nur bedingt auf, bevor die Trauer einmal mehr mit Anlauf erdrückt. „The Bereaved“ illustriert die äußere und innere Zerrissenheit der Hinterbliebenen und versucht sich mit der unvermeidbaren Endgültigkeit abzufinden – mal lauter und wütender, frustrierter, dann wieder introvertiert bis resignierend. Marianas Rest münzen das in ihr nächstes richtig starkes Album um, gestalten ihren Death Doom noch vielschichtiger und variantenreicher und schließen mehr und mehr zu den Größen des Genres auf. Davor darf man sich gerne tief verneigen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 16.01.2026
Erhältlich über: Noble Demon (Broken Silence)

Website: www.marianasrest.com
Facebook: www.facebook.com/marianasrestofficial

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Category: Magazin, Reviews

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