Jagged City – There Are More Of Us, Always

| 28. Januar 2026 | 0 Comments
Jagged City

(c) Pelagic Records

Westküste trifft Ostküste: Obwohl Carlos Torres (ehem. Live-Mitglied von Explosions In The Sky) und Jake Woodruff (Defeater) ordentlich Landmasse trennt, fanden ihre musikalischen Ideen schnell und eindrücklich zusammen. Als Jagged City spielen sie rein instrumentalen Post Rock mit gelegentlicher metallischer Schlagseite. Aufgrund terminlicher Schwierigkeiten teilen sich auch die Aufnahmen terminlich und geographisch. An den Drums und hinter den Reglern sprang mit Urian Hackney (The Armed, ehem. Tour-Drummer von Converge und Trash Talk) ein Mann mit Gespür für Dynamik und Klangräume ein. Ihre erste EP „There Are More Of Us, Always“ erscheint bei Pelagic Records.

Nach dem kurzen, komplett für sich einnehmenden Intro „(Don’t Dream It’s Over)“ macht „Imaginary Lines“ in aller Kürze deutlich, wie kraftvoll die Zusammenarbeit zweier Musiker über Distanz sein kann. Aus diesem geographisch getrennten Klangraum wollen Jagged City Katharsis schaffen, was auch gelingt, doch bricht der Song mitten im Aufbau zum vermeintlichen Höhepunkt ab und verabschiedet sich unerwartet. Hingegen scheint „Rain And Sirens“ aus dem Nichts zu explodieren, holt rabiaten Post Metal urplötzlich in den Vordergrund und zerlegt alles. „Ocean East, Ocean West“ sucht so etwas wie den Mittelpunkt, wirkt ab der ersten Sekunde düster und bedrohlich, lässt zusätzliche Distortion Einzug halten und bereitet in aller Gemächlichkeit erstaunliche Schmerzen.

Einzelne Reste dieses schaumgebremsten Husarenritts nimmt im direkten Anschluss „Hairspring“ mit, geht aber nie komplett und kompromisslos durch die Decke. Stattdessen suchen Jagged City nach einer Art Limit, wobei vor allem der sprunghafte, federnde Basslauf herausragt. Die zweite Hälfte spielt mit der etatmäßigen Post-Rock-Entladung, bloß tief ins Arrangement eingebettet. Hackneys launisches Drumming leistet ganze Arbeit. Das anschließende „Minus Power“ verbreitet etwas Hoffnung und ebbt stilvoll ab, etwas zurückgenommen und doch selbstbewusst. Für das abschließende „(Deluge In A Paper Cup)“ konnte kein Geringerer als Mono-Gitarrist Takaakira Goto gewonnen werden, der dem wütenden, derben Uptempo-Finale den nötigen Dreck verpasst.

Knapp 20 Minuten voller Herz, Explosivität und cleverem Songwriting später setzt Begeisterung ein. Jagged City finden eine angenehm frische Art, Post Rock zu interpretieren, und schrecken keinesfalls vor der nötigen Härte zurück. Hier hilft natürlich der Hardcore-Hintergrund der Musiker, die mit Drive und Dynamik ein kleines Festmahl abhalten. Natürlich ist „There Are More Of Us, Always“ nur eine erste EP, und doch wünscht man sich schon jetzt viel, viel mehr von diesem spannenden Projekt. Ein komplettes Album könnte richtig schön groß werden.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.01.2026
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/people/Jagged-City/61584465021058

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Category: Magazin, Reviews

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