Heckspoiler – Bock auf Stress

(c) Nikolaus Raty (@nicknofuture)
Lauter, schneller, Dialektiker: Den olympische Grundgedanke interpretieren Heckspoiler einmal mehr auf ureigene Weise. Auf ihren bisherigen beiden Studioalben und zuletzt ihrer Live-Platte bewiesen Thomas Hutterer und Andreas Zelko gewohnt sympathisch-derbe Zerstörungswut, zwischen Hardcore, Punk, Rock, Metal und Mundart. An der reduzierten Instrumentierung und dem verschwitzt-giftigen Auftreten hat sich rein gar nichts geändert, und das ist verdammt noch mal eine gute Nachricht. „Bock auf Stress“ macht sogar noch mehr Druck.
Das liegt nicht zuletzt an der angenehm unmittelbaren Produktion, die ohne Netz, doppelten Boden oder andere Barrieren arschlings ins Gesicht springt und die volle Dosis Live-Energie auf Platte bannt. Bereits das eröffnende „Plenum“ stürzt sich ohne große Vorwarnung in media res und bringt nicht zum letzten Mal etwas Thrash-Energie ein. Die atemlose Uptempo-Schlacht spielt mit kurzen, pointierten Hooks und bleibt doch atemlos. Bekömmliche Hektik trägt „Speed“ bereits im Namen und dreht mit wachsender Begeisterung am Rad. Selbst die Vocals überschlagen sich beinahe, vom Motörhead-Bass in die Mangel genommen und am Drumhocker vermöbelt.
„Showtime“ ist zwar erst zum Schluss, was aber nicht stört. Die widerborstige Aggression kommt gut, Hardcore und Thrash überholen sich beinahe selbst, während die angegroovten Passagen zwischendurch sogar ein wenig mit Sludge anbandeln. Falsett ohne Disco, das ist das Geheimrezept von „Party“. Aus den schrägen Strophen entwickelt sich eine komplett abgewrackte Beinahe-Hymne, halb verkatert, voll mit gebrochenem Herzen. Diesen „Bock auf Stress“ münzen Heckspoiler in einen D-Beat-Nackenschlag allererster Güteklasse um. Eine Frontalattacke jagt die andere, hinten wird kurz feucht rausgewischt.
Keine halbe Stunde später ist alles eitel. Heckspoiler versuchen erst gar nicht, alles umzustoßen, sondern erhöhen über weite Strecken einfach ’nur‘ die Schlagzahl und rennen damit offene Türen ein. Mehr Thrash, mehr Hardcore, etwas Sludge und gewohnt schräge Ideen – was das Duo bereits auf den beiden Vorgängern auszeichnete, findet jetzt mehr und mehr zur Formvollendung. „Bock auf Stress“ ist das unmittelbarste, direkteste Album der beiden Oberösterreicher, atemlos und mitreißend, hinsichtlich Songwriting und Energie sogar noch einen Tacken stärker als zuvor. Mit ihrer bislang besten Platte räumen Heckspoiler ab, ob auf der Couch oder im überhitzten Club.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 05.12.2025
Erhältlich über: Noise Appeal Records (Sony Music)
Website: heckspoiler.org
Facebook: www.facebook.com/heckspoiler
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Category: Local Bands, Magazin, Reviews


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