Witch Ripper – Through The Hourglass

| 5. April 2026 | 0 Comments
Witch Ripper

(c) Brittne Lunniss

Gute Geschichten verdienen sich Fortsetzungen, wenngleich diese mit gewissen Erwartungen vorbelastet sind. Das Sci-Fi-Konzeptwerk „The Flight After The Fall“ brachte Witch Ripper sofort ins Visier von Stoner-Prog- und Sludge-Feinschmeckern. Der zuvor in ein Schwarzes Loch geflogene Protagonist fand dort den erhofften Frieden nicht und erwacht nun in einer zeitlosen Welt, begleitet von einer ihm vertrauten düsteren Entität. „Through The Hourglass“ spinnt die interstellaren Erzählfäden des Quartetts aus Seattle gekonnt weiter.

Tracks wie „Symmetry Of The Hourglass“ zeigen einerseits, dass Witch Ripper ihre konsequente, konstante Weiterentwicklung geschickt vorantreiben, und brechen andererseits rein gar nichts übers Knie. Eine komplette Evolution des musikalischen Ansatzes ist nicht notwendig, doch machen die kleinen Details einiges her. Hier kommt vor allem das Wechselspiel zwischen harschen, aggressiven Vocals und feinsinnigem Klargesang richtig gut. Natürlich lassen sich die Mastodon-Vergleiche einmal mehr nicht von der Hand weisen, doch sind diese nur ein kleiner Teil des hier präsentierten Wahnsinns. Das stete Operieren am Midtempo-Limit, geifernde Fanfaren und ruppige Intensität – all das kollidiert mit hymnischen Momenten purer Erhabenheit.

Das spacige „Proxima Centauri“ kann damit nicht komplett mithalten, gerade ob des in die Länge gezogenen Auftakts, doch zeigt das US-Quartett hier zugleich eindrucksvoll, wie sehr sie sich als Songwriter entwickeln konnten. Zwischen erstaunlich beklemmenden, semi-balladesken Passagen und purer Katharsis im Schlussakt liegen längst keine Welten mehr. Hingegen schlägt „The Portal“ mit harschen Hieben um sich, zieht das Tempo stellenweise ein wenig an, groovt zwischendurch und findet doch immer wieder zu dieser überdimensionalen Hook, die nicht loslässt. Der überlange Abschluss „The Spiral Eye“ nähert sich hingegen der kompletten Überforderung mit fast spirituellem Nachdruck und schemenhafter Finsternis.

Es ist ein etwas bizarrer, überzeichneter Abschluss einer über weite Strecken hochgradig unterhaltsamen und ambitionierten Platte, die gelegentlich mit ihren eigenen Ansprüchen zu kämpfen hat. Manchmal lehnt sich „Through The Hourglass“ etwas zu weit aus dem Fenster, keine Frage, und gerät leicht außer Balance. Wenn aber alles stimmt, dann liefern Witch Ripper fantastisch ab. Ein wenig Genie und Wahnsinn, das zeichnet ihren neuesten Streich aus – sehr mutig, sehr kreativ, manchmal einen Tacken too much. Und doch lässt sich die Klasse dieses Albums nicht von der Hand weisen. Sollte der Fokus auf einem etwaigen Nachfolger stimmen, dann wird es künftig spektakulär.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: Magnetic Eye Records

Facebook: www.facebook.com/Witchripper

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Category: Magazin, Reviews

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