We Stood Like Kings – Pinocchio

(c) Olivier Charlet
Bei We Stood Like Kings war die Zeit für fundamentale Veränderungen gekommen. Nachdem die Belgier zuletzt mit ihren (teils imaginären) Soundtrack-Arbeiten Post Rock und neo-klassische Musik zusammenbrachten, sollte der Piano-beeinflusste Sound dieses Mal deutlich düsterer und härter ausfallen. Die klassische Instrumentierung wurde weitestgehend zurückgefahren, dafür treten härtere bis metallischere Riffs sowie pointierte Synthetik vermehrt ins Rampenlicht. „Pinocchio“ betrachtet die weltbekannte Geschichte des Marionettenjungen auf neue Weise – deutlich finsterer und brutaler.
„Assassins“ zeigt als Opener bereits, wie es (anders) geht. Klar, die verspielten Piano-Töne zu Beginn sind nach wie vor vorhanden, werden nun allerdings in deutlich schroffere Riffs (zu Beginn lassen sogar Isis kurz grüßen, später stehen unter anderem Caspian Pate) eingebunden, unterstützt durch marschierende Drums und understatete Synthetik. Konsequenter Aufbau, kleine Zäsuren und großformatige, episch angehauchte Plateaus bringen alles zusammen, was man sich aus dem metallisch angehauchten Post-Rock-Umfeld erwartet, wenngleich mit der stets greifbaren Handschrift der Belgier. Das ist anders, aber eben richtig stark.
Diese Handschrift durchlebt eine Metamorphose nach der anderen. In „Attila Of The Sea“ tritt sie filigran in Erscheinung, knüpft in der ersten Hälfte sogar weitestgehend an das Frühwerk an, bevor komplexe Klangwände und monumentale Wucht die Vorzeichen geschickt verschieben. „Dead Blue Fairy“ ist ohne Frage einer der härtesten Songs der Bandgeschichte, intime Einschübe hin oder her. We Stood Like Kings heben wieder und wieder ab, packen gelegentliche abweisende Gitarrenwände aus und schaffen magische Kontraste. Und dann ist da noch „The Field Of Wonders“, das überlebensgroße Herzstück, das sich vor allem auf kleine Zwischentöne und sorgsamen Aufbau versteht. Wenn es jedoch losgeht, dann so richtig – Collapse Under The Empire lassen grüßen.
Tatsächlich anders, tatsächlich besonders, tatsächlich verdammt gut: Pianistin Judith Hoorens gab im Vorfeld zu Protokoll, dies sei wahrscheinlich jenes Album, das die Band immer schon aufnehmen wollte. Exakt das ist nicht zu überhören, denn „Pinocchio“ wirkt auf allen Ebenen freier, intensiver und immersiver. Die ungezügelte Wucht, das Spiel mit Laut-Leise-Dynamik und die sägende Aggression stehen den Belgiern bestens zu Gesicht. Vergleiche mit großen, metallisch angehauchten Post-Rock-Bands kommen nicht von ungefähr, zugleich konnte man sich die kleinen, sympathischen Eigenschaften beibehalten. We Stood Like Kings entdecken einen goldenen Mittelweg und legen ein angenehm anderes, mitreißendes Werk vor – ohne Frage ihr bislang bestes.
Wertung: 9/10
Erhältlich ab: 10.04.2026
Erhältlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)
Website: www.westoodlikekings.com
Facebook: www.facebook.com/westoodlikekings
Slider-Pic (c) Olivier Charlet


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