We Stood Like Kings – USSR 1926

| 30. Oktober 2015 | 0 Comments
We Stood Like Kings

(c) Esther Tchogninou

Was verleitet vier junge Belgier dazu, den imaginären Soundtrack zu einem beinahe 90 Jahre alten Stummfilm zu schreiben – und das bereits zum zweiten Mal? Post Rock hat viele, höchst unterschiedliche Ansatzpunkte, doch jener von We Stood Like Kings könnte einzigartiger kaum sein. „USSR 1926“ befasst sich mit „Ein Sechstel der Welt“ des russischen Dokumentarfilmers Dziga Vertov, der über mehrere Reisen versucht die Größe und den kulturellen Reichtum der Sowjetunion szenisch einzufangen.

Entsprechend abwechslungsreich und doch in sich ruhend gestaltet sich diese Platte. Im Vergleich zu manch anderen Genrekollegen nimmt bei We Stood Like Kings das Klavier eine zentrale Rolle in den rein instrumentalen Kompositionen ein, ab und an durch Strings aus der Dose unterstützt. Schnell wird, bei aller Breite, ein erzählender roter Faden geschaffen, bevorzugt von eben jenem Tasteninstrument ausgehend. Nur einmal, in „Immense Wealth“, scheint es so, als würde sich Gesang durchkämpfen. Was in dieser für Post Rock typischen Explosion zu hören ist, entpuppt sich jedoch als Nebenprodukt bestimmter Effekte, die durch den Äther gejagt werden. Dass sich die Mogwai’sche Kombination aus szenischer Ruhe und großen, schroffen Gefühlen auch so gut anfühlt – geschenkt.

Und rundherum? Eine Reihe an Highlights, die mehr und mehr ineinanderfließen. Natürlich ragt das epische Monstrum „Samoyedes“ heraus, ein zehn Minuten langes Post-Lehrstück mit sämtlichen Gefühlseindrücken, zu denen die drei Herren mit Dame in der Lage sind, auch der dynamische Opener „Capital“ hat seine Reize und versteht beängstigend perfekt, wie Spannung aufgebaut wird. Das vielleicht schroffste Stück dieses Albums ist aber „Are You A Master Too?“, ein von Piano und Motiven aus der klassischen Musik befeuerter Song, druckvoll, aufbrausend, sympathisch leidenschaftlich.

Abermals gelingt We Stood Like Kings das Kunststück aus einem heute bestenfalls Experten bekannten Filmklassiker eine neue Ebene der Bedeutung heraus zu extrahieren. Auch ohne Vertovs Dokumentation gesehen zu haben, entstehen beim Hören von „USSR 1926“ – übrigens ein wundervolles Kopfhöreralbum – Bilder von Tundra, Steppen, von höchst unterschiedlichen Menschen und Landzügen vor dem inneren Augen. Etwas anders und doch so charmant, so sollte Post Rock 2015 klingen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 30.10.2015
Erhätlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)

Website: www.westoodlikekings.com
Facebook: www.facebook.com/westoodlikekings

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Category: Magazin, Reviews

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