Poison Ruïn – Hymns From The Hills

| 1. April 2026 | 0 Comments
Poison Ruïn

(c) Kat Bean

Düstere Geschichten und gerne mal unbequeme Fantasy-Ästhetik inmitten finsterer Punk-Klänge: Poison Ruïn machen vielleicht nicht gerade Musik, die für ihre Labelheimat Relapse typisch ist, doch lässt sich das US-Quartett von derlei Kleinigkeiten nicht abhalten. Der Label-Einstand „Härvest“ suchte noch nach einer klaren Definition des an Post Punk angelehnten Sounds, etwa drei Jahre später wäre diese nun gefunden … und noch viel mehr. „Hymns From The Hills“ geht seinen eigenen Weg – mit mittelalterlich inspirierten Fantasygeschichten, die bewusst keinerlei historischen Hintergrund besitzen, zudem mehr Härte, Synthetik und Melodie.

Wie es geht, zeigt der Titelsong „Hymn For The Hills“. Hibbelige Punk-Hektik, ein wenig Rock aus der Garage und dezente synthetische Einflüsse treiben den dreckigen Sound an – einmal mehr wurde bewusst auf professionelles Aufnahme-Equipment verzichtet – und verbinden beklemmende Melodik mit roher Intensität. Zwischen Killing Joke und Misfits war hörbar noch ein wenig Platz. Selbst ein räudiges Gitarrensolo musste noch sein. Dass „Eidolon“ danach zwar die nervöse Hektik beibehält, aber den Horror-Punk-Faktor maximiert und auf mehr Härte setzt, passt prima ins Bild. Immer wieder taucht ein angenehm gruseliges Gitarrenmotiv auf, das nicht loslässt.

Wohin die Reise geht, machen Poison Ruïn bevorzugt viel zu spät klar. Wie in „Serpent’s Curse“, dessen gesprochene Vocal-Fetzen vorsichtig an die Oberfläche dringen. Metallisch-punkige Heavyness und ein gewisser Gruselfaktor nehmen das Heft fest in die Hand. Das erstaunlich massive „Crescent Sun“ erinnert stellenweise sogar an frühe Kvelertak, ist dreckig und unfassbar böse, auf gewisse Weise dennoch catchy. Und verdammt laut – wie auch der Opener „Lily Of The Valley“, der mit einer besseren Produktion ein Hit geworden wäre. Das US-Quartett macht daraus einen Post-Punk-Wellenbrecher, der immer wieder dezent abkackt, der Gothic- und Dark-Rock-Vibes weiterbringt, und doch bewusst räudig rüberkommt.

Diese absichtliche Unterproduktion, der konzentrierte Underground-Fokus, das möglichst rohe und ungeschliffene Soundgewand – klar stehen Poison Ruïn damit kleineren Hits im Wege, doch passt eben das absolut ins Bild und zeichnet den sympathischen Wahnsinn des US-Quartetts aus. „Hymns For The Hills“ möchte keine Ohrwürmer abwerfen, sondern DIY-Ethos betonen und schroffe Abrissbirnen in den Mittelpunkt rücken, selbst wenn diese über grandiose Hooks verfügen. Manchmal etwas zu roh und ungeschliffen, doch immer sympathisch und in seinen schwer nachvollziehbaren Gedankensprüngen absolut mitreißend: Jetzt sind Poison Ruïn endlich dort gelandet, wo sie hingehören, und zwar mit Nachdruck.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 03.04.2026
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)

Website: www.poisonru.in
Instagram: www.instagram.com/poisonruin

Teile diesen Artikel

Tags: , , , , , ,

Category: Magazin, Reviews

Demonic-Nights.at - AKTUELLES