Man Band – Strong Man

| 12. April 2026 | 0 Comments
Man Band

(c) Daniel Sargent

Im November 2023 verabschiedeten sich OHHMS nach mehreren bekömmlichen Alben zwischen Doom, Sludge und Post Metal, sehr kurz und knapp, in Freundschaft. Gitarrist Daniel Sargent und der nun ans Mikrofon gewechselte Bassist Chainy Rabbit haben mit Man Band bereits ein neues Projekt am Start, das sich mit wachsender Begeisterung gegen etwaige Kategorisierungen stemmt und stattdessen einen wilden wie faszinierenden Mix verschiedener Metal- und Hardcore-Einflüsse praktiziert. Ihr erstes Album „Strong Man“ setzt sich mit verschiedenen – toxischen und nicht-toxischen – Formen von Männlichkeit auseinander.

Der Opener „Dane Valley“ handelt von Frontmann Chainy Rabbit, der wegen 50 Pfund im gleichnamigen Park überfallen wurde und sich fortan Krafttraining und Kickboxen widmete, damit ihm das nie mehr passieren würde. Dahinter steckt ein Song mit Groove, Heavyness und drückender Wut, von einem doppeltem Boden begleitet. Fast Nu-Metal in manchen Parts, dann schwerfällig und zermürbend, im nächsten Moment voller Testosteron und mitten in der Eskalationsspirale – sehr kaputt, sehr sympathisch. Ähnlich bizarr, wenngleich auf komplett andere Weise, ist „Ian’s Song“ am anderen Ende des Albums. Wütende, geifernde Screams und minutenlange Sprachnachrichten ergeben eine unbequeme, überlange Klangcollage, die letztlich mit Fragezeichen en masse zurücklässt.

Dann doch lieber mit klarer Kante: „Men Don’t Cry“ räumt mit der stumpfsinnigen Binsenweisheit auf und kleidet dies in Sludgecore und angepunkte Metal-Eruptionen. Rabbit wird immer lauter und schriller, dreht komplett am Rad, während die Gitarren wütend aufheulen. Der folgende Groove- und Noiseteppich kommt gut, trägt ein paar schiefe Melodien in sich. Ebenfalls sehr speziell, wenngleich auf ganz andere Weise, ist der Siebenminüter „The Nutter“. Schroffes Crossover-Appeal, chaotischer Hardcore und etwas Metalcore-Ursuppe finden zusammen, schließlich übernehmen endlose Noise-Schleifen das erdrückende Kommando.

34 hochgradig seltsame Minuten später bleiben ordentlich Fragezeichen zurück. Zwischen Ernsthaftigkeit und Augenzwinkern entsteht eine wunderbar wilde, ungezähmte und verrückte Platte, die sich so gar nicht in irgendeine Schublade pressen lässt. Man Band geben selbst an, sich in den verschiedensten Bereichen zu bedienen und einfach zu machen. Das ist „Strong Man“ auch anzuhören, wohlgemerkt im besten Sinne. Ja, es dauert schon eine ganze Weile, bis dieses Album Sinn ergibt, doch lohnt sich die intensive Auseinandersetzung mit diesem wunderbar schrägen Stück Musik. OHHMS-Fans werden hier vielleicht nur bedingt fündig, alle anderen erhalten eine wunderbar eigensinnige, eigenwillige Platte, die noch dazu viel Herz und Hirn mitbringt.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 17.04.2026
Erhältlich über: Faith Healer Records

Facebook: www.facebook.com/ManBandUK

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Category: Magazin, Reviews

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