Mallavora – What If Better Never Comes?

(c) Derek Bremner
Obwohl sie ihre erste Single erst 2019 veröffentlichten, konnten sich Mallavora schnell einen Namen in ihrer englischen Heimat machen. Das Quartett aus Bristol veröffentlichte bislang drei EPs und diverse Songs, spielte verschiedene Festivals, supportete Skindred und ging schließlich 2024 erstmals auf UK-Headliner-Tour. Die sehr offene und verletzliche Auseinandersetzung mit Beeinträchtigungen und Erkrankungen sowie die spannenden musikalischen Einflüsse zwischen hymnischem Rock, metallischen Extremen und den jüdisch-nahöstlichen Wurzeln von Frontfrau Jessica Douek (ihre einzigartige Stimme war zuletzt in der britischen Promi-Version von „Die Verräter“ zu hören) lassen wieder und wieder aufhorchen. „What If Better Never Comes?“ wagt sich erstmals an ein komplettes Album.
Geworden ist es eine Auseinandersetzung mit Krankheit – ob auf persönlicher oder auf gesellschaftlicher Ebene. Der Sprung zwischen dem Privaten und großen Zusammenhängen bemüht sich um Katharsis für alle, die mit Gefühlen ringen, deren schieres Ausmaß sich nicht in angemessene Worte kleiden lassen. „Walking On The Edge Of The Knife“ lässt sich somit auf verschiedensten Ebenen verstehen und geht mit seinen drei Minuten ins Ohr. Wie Douek spielerisch von kraftvollen Gesang zu wütenden, aussdrucksstarken Screams, Frys und Growls wechselt, begeistert ebenso wie die mal hymnische, mal melancholische, mal brachiale musikalische Umsetzung.
Und das ist nur der Anfang, denn für packende, mitreißende Abwechslung ist hier wieder und wieder gesorgt. Wie in „Make The World Wait“, dessen dramatischer Minimalismus Eindruck hinterlässt, oder im explosiven „Lilith & Esther“ das sowohl nahöstliche Einflüsse als auch radiofreundliche Melodien einbringt, bevor Douek den Track nach allen Regeln der Kunst zerbrüllt und gelegentlich Banshee für Magie sorgen lässt. Ein „Birth Of A Sun“ spielt zwischenzeitlich mit Alternative- und Nu-Elementen, mag die monumentale Melodik aber wesentlich lieber als den kaputten Crossover-Breakdown. Stark ist auch „Waste“, eine unheimlich präzise, brutale und gerade zynische Replik auf Misogynie und unmögliche Erwartungen an Frauen.
Pure, wertige und angenehm zermürbende Zerstörung reitet durch diesen Erstling, nur um im richtigen Moment wieder und wieder fest in den Arm zu nehmen. Mallavora realisieren die großen Versprechen ihrer bisherigen EPs mehr als souverän und schaffen eine packende, herausfordernde Platte, die über magische, wunderschöne Momente verfügt, die man sich aber dennoch erst ’schön hören‘ muss. Denn gerade textlich gibt es weder eitel noch Sonnenschein auf „What If Better Never Comes?“. Der vorgehaltene Spiegel bereitet schon mal einiges an Schmerzen, wenn man sich in die Protagonist:innen versetzt. Spätestens jetzt sollte man diese starke Band unbedingt im Auge behalten.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 27.03.2026
Erhältlich über: Church Road Records
Website: www.mallavora.co.uk
Facebook: www.facebook.com/mallavora


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