Erra – silence outlives the earth

(c) Bryan Kirks
Was bedeutet es eigentlich, heute zu existieren, Mensch zu sein? Mit diesen und weiteren elementaren Fragen beschäftigen sich Erra auf ihrem mittlerweile siebten Studioalbum. Das Quintett aus Birmingham im US-Bundesstaat Alabama legte vor 23 Monaten mit „Cure“ einen exquisiten Leckerbissen vor, der den progressiven und zugleich modernen Metalcore-Ansatz endgültig auf den Punkt brachte. „silences outlives the earth“ möchte nun nahtlos daran anknüpfen, ohne auf der Stelle zu treten.
Tracks wie „cicada siren“ unterstreichen diese Mission, rollen mit gewaltigen, ausladenden Druckwellen an und paaren Djent-Gitarren mit bleierner Schwerfälligkeit und ausgesuchten Screams. Nach und nach setzen sich vermehrt proggige Vibes und eingängigere Passagen durch. Hymnische Neo-Prog-Core-Klangwände nehmen das Heft fest in die Hand, das Ding geht nicht mehr aus dem Ohr. Dort hat sich auch der verspielte Opener „stelliform“ längst eingenistet. Eine der besten Gesangsmelodien der gesamten Platte und ausgesuchtes Chaos ringsum machen Laune, zudem setzt es vergleichsweise klassischen Metalcore-Ansätze mit typischem Erra-Flair – kann man machen, weiß zu unterhalten.
Am anderen Ende des Albums untermauert ein Dreiteiler die komplexen Ansprüche des Quintetts. Die Stakkato-Attacken von „i. the many names of god“ schielen sogar ein wenig in Richtung Deathcore und sorgen für einen der härtesten Tracks der Band. „ii. in the gut of the wolf“ behält die forsche Grundstimmung bei, lässt aber nach und nach zarte melodische Ansätze einfließen. Schlussendlich taucht „iii. twilight in the reflection of dreams“ vollends in proggiger Melodik ein, verlässt sich auf klaren Gesang und filigrane Eingängigkeit – ein mehr als würdiger Schlusspunkt. Tracks wie „gore of eden“, die an recht typische Metalcore-Klänge anknüpfen, runden die Platte gekonnt ab.
Der kolossale Wow-Effekt des Vorgängers fehlt dieses Mal – nicht etwa, weil Erra ein enttäuschendes Album vorgelegt hätten, sondern weil einerseits gewisse Erwartungen erfüllt wurden und andererseits die Messlatte verdammt hoch lag. „silence outlives the earth“ hält das Niveau, versucht ein paar Neuerungen und konzentriert sich vor allem darauf, den eigenen Sound weiter zu schärfen. Ihr Metalcore fällt noch progressiver und vielschichtiger aus, steuert gelegentlich vertraute Gefilde an, dreht aber ebenso gerne und mit wachsender Begeisterung am komplexen Rad. Speziell der abschließende Dreiteiler macht mehr als deutlich, dass hier noch lange nicht alles gesagt ist. Erra bleiben Garanten für herausfordernde, eingängige Metalcore-Kost.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 06.03.2026
Erhältlich über: UNFD (Bertus)
Facebook: www.facebook.com/Erra.music


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