Predatory Void – Atoned In Metamorphosis

| 5. Februar 2026 | 0 Comments
Predatory Void

(c) Tetiana Malezhyk

Lennart Bossu hatte zu viele Songs geschrieben, die nicht zu seiner Hauptband Amenra passten. Gemeinsam mit aktuellen und ehemaligen Mitglieder von Cross Bringer, Aborted und Carnation entstanden Predatory Void, nur ein Jahr nach der Gründung erschien ein erstes Album bei Century Media, begleitet von einem Auftritt beim renommierten Roadburn-Festival. Inzwischen ging Bassist Tim De Gieter von Bord (er verließ auch Amenra, um sich auf seine Produzenten- und Mischertätigkeit zu konzentrieren), Kris Auman von EndlingR übernahm. Die neue EP „Atoned In Metamorphosis“ erscheint nun bei Pelagic.

Aus dem Nirgendwo taucht die kraftvolle, ausdrucksstarke Stimme von Lina R auf und dominiert sofort alles um sie herum. Der ruhige, zaghafte Auftakt von „Make Me Whole“ mit minimaler Instrumentierung und langsamer Steigerung kommt gut. Doomige Schwere mit Sludge-Schlagseite übernimmt in der zweiten Hälfte, während die Frontfrau ihre Zeilen mantraartig wiederholt und auf eine Eskalation hinarbeitet, die jedoch ausbleibt. Nahtlos knüpft „New Moon“ an und startet sogleich mit schwarzmetallischen Nackenschlägen durch. Das Tempo ist hoch, die Brutalität fährt durch Mark und Bein. Immer wieder sorgen spitze Schreie für wohlige Schmerzen und kollidieren mit bittersüßen Gesangsmelodien. Occult Rock trifft auf Post-Metal-Apokalypse – ein kleines Fest.

„Peeling Cycle“ bietet zunächst kompletten Tapetenwechsel, beginnt ruhig und zugleich unbequem. Die Vocals wirken fragil und suchend, dann setzt die Band nach einer halben Minute mit sägender Wucht ein und lässt den Track urplötzlich anschwellen. Die explosive Tempoverschärfung nebst heiseren Screams und Growls kommt gut, am vermeintlichen Höhepunkt fällt das Konstrukt nach nicht einmal drei Minuten in sich zusammen. Das macht ebenso Laune wie „Contemplation Of Time“, das viel zu frühe Ende dieser EP. Erstaunlich nervöse, hektische Strophen und atemlose Vocals treffen auf einen wütenden Hauptteil, der sich Amenra wieder etwas annähert und mit seiner schrillen, frontalen Wut doch alles auf komplett andere Weise zerlegt. Wie Lina R im Schlussakt mehr und mehr dem Wahnsinn verfällt, ist großes Kino.

Nur 14 Minuten, verdammt stark und atemlos großartig, so zeigen sich Predatory Void auf ihrer neuen EP. Der pure Wahnsinn des Seins wird mit eindrücklicher Hingabe greifbar gemacht, von feinsinniger Melodik und beißender Wut umgarnt. „Atoned In Metamorphosis“ hechtet von einem Extrem zum nächsten und wirkt dabei erstaunlich organisch, lebendig, ja sogar songdienlich. Und doch dominiert stets die eigenwillige, unbequeme, aufwühlende Atmosphäre, die mit betontem Gusto in die Knie zwingt und dabei in den Arm nimmt. Finstere Süße und krachende Hiebe harmonieren prima – ein starkes Statement von Predatory Void, die sich nach Nebelschwaden strecken.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 06.02.2026
Erhältlich über: Pelagic Records (Cargo Records)

Facebook: www.facebook.com/PredatoryVoid

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Category: Magazin, Reviews

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