Ponte Del Diavolo – De Venom Natura

| 11. Februar 2026 | 0 Comments
Ponte Del Diavolo

(c) Sergio Bertani

Finsternis klopft lautstark an der Tür und verlangt Einlass. Ponte Del Diavolo überqueren einmal mehr die höllische Brücke, fast auf den Tag genau zwei Jahre nach ihrem Einstand. Das italienische Quintett zockt nach eigenen Angaben ‚Blackened Post-Punk‘, verbindet die Düster-Ästhetik und bittersüße Melodik von Post Punk mit Black- und Doom-Attacken. Dazu werden gleich zwei Tieftöner sowie die eher in Wave-Gefilden verortete Stimme von Erba del Diavolo gereicht. Was auf dem Vorgänger bereits auf beste, anstrengende Weise durch den Fleischwolf drehte, darf auf „De Venom Natura“ weiter eskalieren.

Das geschieht beispielsweise im Vorboten „Spirit, Blood, Poison, Ferment!“ nicht nur durch einen wunderbar abstoßenden Chant, sondern durch den druckvollen Auftakt, der entschlackten Black Metal mit Uptempo-Wave-Kapriolen vermengt, bevor sich die Strophen wohliger Reduktion und der alles einnehmenden Stimme Diavolos widmen. Das Spiel mit wechselnden Stimmungen gelingt vollends, und doch ist die Eskalation stets nahe. Urplötzliche Sprints zerstören mindestens so pointiert wie der etwas entrückte Abschluss „In The Flat Field“ – schnell, hektisch, hibbelig und doch auf gewisse Weise mystisch, unbequem und unnahbar. Was Ponte Del Diavolo hier alleine hinsichtlich Atmosphäre anstellen, ringt ordentlich Respekt ab.

Ganz anders sieht das mit „Delta-9 (161)“ aus – nicht etwa, weil dies ein Durchhänger wäre (ganz im Gegenteil!), sondern weil das Langformat von fast neun Minuten mit allem gebotenen Nachdruck den Rahmen sprengt. Das bedeutet natürlich viel Zeit für kleine Feinheiten, für doomige Schwere und gezielte Entschleunigung. Fast unbemerkt intensiviert sich das Arrangement, schwillt immer weiter an und geht doch nie komplett durch die Decke. Der Ritt auf der emotionalen Rasiermesserklinge steht Ponte Del Diavolo ebenso hervorragend zu Gesicht wie der rasende, sich wiederholt häutende Auftakt „Every Tongue Has Its Thorns“. Hier finden sogar wütende, heisere Screams und Growls Platz, giftiger Black Metal kollidiert mit Spiritualität. Ein gespenstisches Theremin führt durch den Abgrund.

Fester angezogene Daumenschrauben stehen Ponte Del Diavolo hervorragend zu Gesicht. Statt verengtem Fokus wächst die komplexe, stimmungsgeladene und zugleich explosive Musik mit jedem Durchlauf, weil die Kontraste noch konsequenter durchgezogen wird. „De Venom Natura“ setzt natürlich weiterhin vornehmlich auf Post-Punk-Atmosphäre, aber nicht ausschließlich. Gerade im extremsten Black-Metal-Bereich wurde ordentlich in die Ausdifferenzierung des Wahnsinns investiert, während die beiden Welten weiter verschmelzen. Ponte Del Diavolo klingt somit unterm Strich brutaler, feinsinniger, düsterer und verführerischer als zuvor, setzen ihren Weg fort und schreiben dabei richtig gute Songs. Mehr braucht es nicht zum bekömmlichen Todesglück.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 13.02.2026
Erhältlich über: Season of Mist (SPV)

Facebook: www.facebook.com/PontedelDiavolo

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Category: Magazin, Reviews

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