Gros Enfant Mort – Le Sang des Pierres

(c) Marvin Remlinger
Alexis von Gros Enfant Mort verwendete das zweite Album seiner Band, um sich aus den Fängen der Depression einigermaßen zu befreien. Einzig das Schreiben von Musik konnte am Rock Bottom noch halbwegs motivieren, neue Songs wurden zum Tagebuch im Kampf gegen die endlose Abwärtsspirale und den Weg zurück an die Oberfläche. Das ehemalige Soloprojekt klingt auf „Le Sang des Pierres“ – wenig überraschend – sowohl musikalisch als auch textlich um Welten massiver und reifer.
Man muss kein Wort Französisch beherrschen, um ohne Umwege in den Sog dieses Albums gezogen zu werden. Die neun Kapitel gehen sämtliche Sinne frontal an. Wie in „Ètranger à la Terre“, mittendrin platziert, zunächst fast vorsichtig und bedächtig vorgetragen, bevor der vom Einstand vertraute Mix aus Screamo und Post-Hardcore urplötzlich Fahrt aufnimmt und sich gleichzeitig entlädt. Dieses Kunststück beherrschen Gros Enfant Mort wie nur wenige andere Bands, lassen in diesen vier Minuten immer wieder einen Hauch Hoffnung aufblitzen und treiben doch den kontinuierlichen Absturz voran. Das Wissen, dass es für den Frontmann und Songwriter seither jedoch aufwärts ging, hilft bei der Verarbeitung.
Und so lassen sich Tracks wie „Saigne! Saigne! Saigne!“ besser schlucken. Spitze, verzweifelte Schreien wirken wie Fingernägel auf der Schiefertafel der Seele, das stete Auf und Ab und die präzisen Eruptionen verstören mindestens so sehr wie der ominöse Titelsong am anderen Ende des Albums, der die gespannte Atmosphäre doch nie ganz zerreißen kann. Ein Ritt auf der Klinge mit recht getragenem Tempo ist das packende, hypnotisierende Ergebnis. Und dann ist da noch „3114“, das sich mit Post Metal anlegt und verschiedenste Extreme in seine Eskalation aufnimmt. Natürlich darf der komplette Zusammenbruch mittendrin nicht fehlen, bis zum erdrückenden Finale.
Pure Anspannung, permanenter Kampf und der Versuch, dem Sog zu entkommen, tragen durch das zweite Album von Gros Enfant Mort. Einfach ist es selbstverständlich nicht geworden, das sollte keine Überraschung sein. Und doch ist der Leistungssprung mehr als beeindruckend. Die Franzosen operieren konstant am Limit, ob in ihren nachdenklichen oder frontalen Ausritten, und veranschaulichen den Kampf mit unüberwindbar erscheinenden inneren Dämonen auf beklemmende Weise. „Le Sang des Pierres“ ist ein kleines Screamo-Kunstwerk geworden und für den Frontmann eine aufwühlende Form der Selbsttherapie, die hoffentlich weiterhin restlos Positives abwirft.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 23.01.2026
Erhältlich über: Moment of Collapse Records (Broken Silence)
Bandcamp: grosenfantmort.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/grosenfantmort


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