Monograf – Occultation

(c) Tone Brandal
Im hohen Norden spielen Natur und Folklore eine nicht zu verachtende Rolle. Das zeigt sich gerne in der Musik, wie im eigenwilligen Noir-Ansatz von Monograf aus der Hauptstadt Oslo, die ihr erstes und bis jetzt einziges Album im März 2019 veröffentlichten, im Vorjahr durch eine Remix-Platte ergänzt. Nun widmet sich das Sextett erneut seiner eigenwilligen Mischung aus Melancholie und Härte, streckt Post Rock und Post Metal mit tradioneller Instrumentierung, wie Fiedel und Nyckelharpa. „Occultation“ lässt einmal mehr Welten aufeinanderprallen.
Vier ellenlange Songs, rund um das kurze und intensive Folk-Auge des Sturms „Ashes“ drapiert, suchen nach Antworten auf ungestellte Fragen. Ob „The Prophet“ diese kennt? Das bleibt offen, wiewohl der ominöse Auftakt mit schleppendem Tempo und bedrohlich anmutenden Gitarren mitten ins Herz trifft. Schnell verfinstert sich die Stimmung weiter und wird durch verzweifelte Schreie ergänzt. Erste Zäsuren holen die folkigen Trademarks in den Mix, schließlich finden beide Welten immer wieder zusammen. Das klingt gelegentlich wie ein doomiges Unwetter, dann so klar und bittersüß wie nur wenige andere Bands.
Am anderen Ende des Albums lauert der Titelsong „Occultation“ und versucht stolze zwölf Minuten lang die Spannung zu halten. Das ist – wenig überraschend – eine echte Mammutaufgabe, doch bestehen Monograf aus richtig guten Songwritern, die ihr Handwerk verstehen. Und so passt der schleppende Auftakt samt himmlischen Vocals inmitten von Hall und Echo prima ins Bild, wie auch die bewusst langsame Zuspitzung. Die traditionelle Instrumentierung übernimmt hier nicht nur erschütternde Trauer, sondern auch eine Art spitzes Schreien, das durch Mark und Bein fährt. Währenddessen durchlebt das Epos verschiedenste kleine und große Wandlungen, bevor das mächtige, majestätische und doch nie gänzlich eskalierende Finale in seinen Bann zieht, nur um am Siedepunkt von kurzen, heftigen Screams zerlegt zu werden.
Natürlich ist das keine leichte Kost, natürlich schlägt das über jedwede Stränge, natürlich hat das Methode. Monograf fordern heraus und stellen Hörgewohnheiten auf die Probe – sowohl im Post-Sektor als auch im sehr weiten Folk-Umfeld. Entsprechend braucht es eine ganze Weile, bis sich die Songs auf „Occultation“ finden, gerade ob der steten Aufs und Abs, der plötzlichen Zäsuren, bewusst dramatischen Wendungen und Kunstgriffen auf dem Weg zur etatmäßigen Eruption. Aber: Die Qualität dieser Platte gibt den Norwegern recht. Ja, es dauerte eine ganze Weile, keine Frage, doch das zweite Album von Monograf ist nicht nur für den nebelig-melancholischen Herbst ein echter Gewinn.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 14.11.2025
Erhältlich über: Nordic Mission / Overhead Productions
Facebook: www.facebook.com/monografband


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