Primitive Man – Observance

| 27. Oktober 2025 | 0 Comments
Primitive Man

(c) Vanessa Valadez

Auf ihrem neuesten Streich wollen Primitive Man noch lauter und noch heavier klingen. Die Alarmglocken schrillen automatisch, denn eine solche Entwicklung erscheint angesichts des bisherigen Schaffens unmöglich. Und doch möchte man damit auf eine (Musik-)Welt reagieren, die in so ziemlich jeder Hinsicht schlimmer geworden ist. Zugleich bemüht „Observance“, das erste reguläre Album seit über fünf Jahren (zwischendurch setzte es Kleinformate sowie ein gemeinsames Werk mit Full Of Hell), eine vergleichsweise neue, experimentell angehauchte Seite.

Das heißt keinesfalls, dass Primitive Man etwa zu Ravern oder Singer/Songwritern mutieren, doch finden akustische Einschübe, elektronische Spielereien und psychedelische Untertöne nun deutlich mehr Raum vor. Im Auftakt zu „Social Contract“ geht es stoisch und mechanisch nach vorne, wie entschlackter Industrial-Sound, zugleich bedrohlich und ominös. Der ellenlange Aufgalopp passt natürlich ins Bild, speziell wenn nach und nach doomige Sludge-Walzen und Noise-Kaskaden das Arrangement erfassen und Ethan Lee McCarthy seinen Stimmbändern Unmenschliches entlockt. Das Ziel kennt man bestens, der Weg dorthin fällt auf spannende wie beklemmende Weise anders aus.

Ein Track wie „Transactional“ wirkt mit seinen knapp 14 Minuten und der derben Distortion im Vergleich nahezu linear, folgt halbwegs nachvollziehbaren Mustern und lässt infernale Growls wieder und wieder aus dem Dickicht aufsteigen. Primitive Man spielen mit Ebbe und Flut, lassen das Arrangement wiederholt anschwellen und lassen im richtigen Moment nach. Das unterstützt den obligatorischen Psychoterror ebenso wie die unerwartet frontale Attacke „Seer“, abermals rhythmisch herausfordernd und vom knarzenden Basslauf zerschossen. Eine imaginäre Schlinge zieht sich zu, die tiefschwarze Auflösung passt ins Bild.

Tatsächlich gelingt Primitive Man das Unmögliche, sie klingen noch kaputter, konfrontativer, desolater. „Observance“ ist keinesfalls plötzlich eine Akustik- oder Electro-Platte geworden, setzt derlei Elemente sehr behutsam ein, lässt den brachialen Sound dadurch tatsächlich weiter eskalieren. Doom, Sludge und Noise bilden weiterhin das Rückgrat, um das herum die pure Zerstörung des Seins ihre infernalen Schwingen ausbreitet. Ja, es ging noch hässlicher, aber auch kathartischer – ein wichtiger musikalischer Weckruf, dessen Einhaltung zum Pflichtprogramm wird.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.10.2025
Erhältlich über: Relapse Records (SPV)

Facebook: www.facebook.com/primitivemandoom

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Category: Magazin, Reviews

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