Primitive Man – Immersion

| 14. August 2020 | 0 Comments
Primitive Man

(c) Relapse Records

Die Frage, wie hässlich Musik klingen kann, beantworten Primitive Man nur mit „Ja“. Die Mischung aus Doom und Sludge des Trios aus Denver könnte kaum sperriger, hässlicher und zerstörerischer klingen. 2012 von aktuellen und ehemaligen Mitgliedern so illustrer Bands wie Withered und Clinging To The Trees Of A Forest Fire gegründet, landeten die US-Amerikaner schnell bei den Chef-Krachmachern von Relapse, wo unter anderem vor drei Jahren der 77minütige Rundumschlag „Caustic“ landete. Von diesem XXL-Format sind Primitive Man weit entfernt – ihre neue Platte dauert nicht einmal halb so lang – und doch nimmt „Immersion“ diese Intensität ein weiteres Mal mit.

Es gibt zwar weniger Spielzeit, doch die Tracks sind nach wie vor überlang. „Menacing“ trägt den Wahnsinn bereits im Titel. Der Achtminüter beginnt mit schrillen Squeals, danach setzt es ein paar Sekunden schwarzmetallische High-Speed-Verhackstückung, deutlich mit Noise Rock flirtend. Kaum will man die weiße Flagge schwenken, breitet sich der eigentliche Track aus, und der ist auf ganz andere Weise zermürbend. Primitive Man nehmen das Tempo komplett raus, lassen die Rhythmusabteilung monolithisch auftreten. Sägende Gitarren, brutalste Growls und seltene Variationen stellen das Nervenkostüm vor eine nahezu unmenschliche Zerreißprobe.

Aufgeben ist nicht, denn das war nur eine von fünf derben Episoden – der sechste Track, „∞“, ist ein Zwischenspiel, das seinem Unendlichkeitstitel gerecht wird. So bringt „Foul“ ein wenig mehr Doom ein, aber auch jene titelgebende Fäulnis, die in jeder Note ihre unbequeme Präsenz ausbreitet. Es riecht ranzig, der Untergang ist nah. Ähnliches bringt der Opener „The Lifer“ aufs Tableau, vielleicht sogar noch eine Spur gemächlicher und zäher. Hier formen Doom und Sludge den ultimativen Malstrom und ziehen im Zeitlupentempo in das endlose Nichts irdischer Existenz.

„Immersion“ hebt die Magengrube aus und füllt sie mit dem Zement der Verzweiflung. Purer, ungefilterter Schmerz und das greifbare Ende jeglichen Seins schreiten Hand in Hand dem Untergang entgegen. Obwohl sich Primitive Man kürzer fassen, haut dieser neue Nackenschlag mindestens so kaputt und abgefuckt rein wie sein Vorgänger. Dafür sorgt der aufs Wesentliche reduzierte Wahnsinn, auf maximales Unheil fokussiert und umwerfend in seiner Intensität. Primitiv im Namen, primitiv im Klang und doch so clever – wer braucht schon Gefühle?

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 14.08.2020
Erhältlich über: Relapse Records (Membran)

Facebook: www.facebook.com/primitivemandoom

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Category: Magazin, Reviews

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