Still In Love – Recovery Language

| 3. September 2025 | 0 Comments
Still In Love

(c) Rachel Billings

Ab und an ist ein wenig Namedropping vertretbar, gerade wenn man sich dieses Line-up ansieht: Hinter Still In Love steckt allerlei Prominenz so illustrer Bands wie Bring Me The Horizon, Dead Swans, Throats, Last Witness und Brutality Will Prevail. Der gemeinsame Nenner fällt tatsächlich brutal aus und widmet sich der ruppigen, metallischen Seite des Hardcore mit Blackened-Einschlag. „Recovery Language“ ist das erste Album des prominent besetzten UK-Quintetts.

„Inherit“ macht recht gut vor, worum es Still In Love geht, und zerlegt in drei Minuten alles, was sich in den Weg stellt. Nick Worthingtons heisere, leicht bellende Vocals fahren mit wachsender Begeisterung durch Mark und Bein, die anfängliche Tempoverschleppung wird schrittweise abgelegt. Metallischer Hardcore mit gelegentlicher Double-Bass-Action und versteckter Melodik streckt alles nieder. „Tell The Truth“ erledigt das bereits als eine Art verlängertes Intro, das lange aufbaut, den Song in Richtung Siedepunkt treibt und sich dort unnahbar entlädt, nur um an Höhepunkt abzubrechen und damit noch mehr zu verstören.

Sam Carter von Architects schaut in „Preserve & Cherish“ vorbei und verleiht dem wohl eingängigsten Track dieses Albums zusätzliche Intensität. Melodische Melancholie und beißende Härte kollidieren mit frostigen Einschüben – klingt für wenige Sekunden nach Black Metal, hat damit aber herzlich wenig zu tun. Der überraschende Klargesang in „You Have To Let It Go“ gehört Basement-Frontmann Andrew Fisher, der dem stoischen, schwerfälligen Track emotionalen Tiefgang verleiht. Schließlich entlädt sich „Pillar Of Strength“ mehr als fünf Minuten lang und packt so ziemlich alles in den Kessel – die furiosen, abgefuckten Blackenend-Hardcore-Sprints, die kolossalen Breakdowns, nahezu groovende Heavyness und melodische Ansätze. Still In Love überholen sich zeitweise sogar selbst.

Und das steht ihnen erstaunlich gut zu Gesicht, denn in gerade einmal 24 Minuten räumt dieser Erstling mit wachsender Begeisterung ab. Gerade hinsichtlich Tempo und Vielfalt bemühen die Briten komplette, unnachgiebige Überforderung, was bestens funktionieren. Ein gewisses Faible für Black Metal ist nicht von der Hand zu weisen, speziell in den rastlosen Zwischensprints und gelegentlichen, norwegisch geprägten Gitarrenmotiven. Die Liebe zum Hardcore gewinnt jedoch immer, ob in brütender Heavyness, metallischem Riffing oder diesem feinen Hauch Melodie, der ab und an schüchtern auf Morgenluft hofft. „Recovery Language“ ist ein feiner Bastard von einem Album geworden, erdrückend und filigran, brutalst derb und mitreißend. Prominente Köche machen tatsächlich lecker Brei.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Church Road Records

Bandcamp: stillinlovehc.bandcamp.com
Instagram: www.instagram.com/stillinloveuk

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Category: Magazin, Reviews

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