lowheaven – Ritual Decay

| 24. August 2025 | 0 Comments
lowheaven

(c) Fabiana Moreira

Eine Bandgründung im Frühjahr 2020, während erstmalig geltender Ausgangsbeschränkungen, ist natürlich eine ungewöhnliche Sache. Für lowheaven entpuppte sich dieser Schritt letztlich als Rettungsanker, denn die fünf Musiker drohten während der Isolation zu versinken. Frontmann Dan Thomsons letzte Band Sparrows hatte sich eben erst aufgelöst, dann veränderten diverse medizinische Diagnosen die Situation von Grund auf. Seine neuen Kollegen rangen selbst mit persönlichen Verlusten und einschneidenden Veränderungen. All die zermürbenden Gedanken, die sich um Selbsthass, Vergebung und den eigenen inneren Kampf drehten, landeten in ihren Songs. „Ritual Decay“, das erste komplette Album, münzt Schmerz und Selbstzweifel zu einem kapitalen Befreiungsschlag um.

Und der bewegt sich in einem komplexen, gerne überfordernden musikalischen Umfeld, das nicht nur mit emotionalen Extremen ringt. Wie „Nothing Else Frail“ mit Post Black Metal aus den Boxen fährt und das mit Gaze und Noise vermengt, erdrückt erst einmal. Dieser Höhepunkt der eigenen Heavyness und Brutalität bekommt im Abgang jene bittersüße Melodik, die lowheaven gut zu Gesicht steht. Wie im eröffnenden „In Grievance“, das seinen trippigen Klargesang mit kaputtem Screamo verbindet und irgendwo eine Art gemeinsamen Post-Hardcore-Nenner findet, der einen überlebensgroßen Chorus auslöst, nur um im Chaos zu versinken.

„Fucking Hell“ ist nicht nur ein pointierter Songtitel, sondern auch eine prima Umschreibung für dieses Happening. Dass es ausgerechnet dieser Song erst etwas ruhiger angeht, bevor sich die imaginären Schleusen öffnen und alles den sprichwörtlichen Bach runtergeht, passt ins Bild. Inmitten des übersteuerten Chaos warten die vielleicht feinsten Melodien der kompletten Platte, nur um ohne Anlauf zerbrüllt zu werden. Hingegen reduziert „Amherst“ derlei Ablenkungen auf ein Minimum und konzentriert sich auf funkelnde Eingängigkeit, mit den Alt-90s versehen und mindestens so großartig wie „Manic Grace“, die komplett abgefuckte Antithese, die in jeden Schrei den kompletten Zusammenbruch jeglichen Seins steckt.

Hier von einem intensiven Erstling zu sprechen, wäre wohl mehr als untertrieben, und doch lässt sich „Ritual Decay“ kaum besser umschreiben. Das stete Ringen um Fassung in einer Welt, die kaum hässlicher und unwirtlicher sein könnte, scheint in jeder Note durch, während die Kanadier ihre schlimmsten Gedanken offensiv und beherzt verarbeiten, um diesen gestärkt begegnen und sie schließlich einigermaßen ablegen zu können. lowheaven zeigt eine Band, die durch die menschliche Hölle gehen musste, und die exakt das in ihre Musik packt, von Blackened Noise und Screamo bis hin zu Shoegaze und Post-Hardcore – himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt, jegliche Fassung aufgebend. Dieser Hieb in die seelische Magengrube lohnt sich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: MNRK Records (SPV)

Facebook: www.facebook.com/lowheavenband

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Category: Magazin, Reviews

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