Coltaine – Brandung

(c) Daniel Kilgus
Jetzt geht es angenehm schnell: Zwischen den fruchtbaren Wurzeln als Witchfucker und ihrem spannenden ersten Album als Coltaine lag ein Jahrzehnt, nun dauerte es nur – fast auf den Tag genau – ein Jahr bis zum Nachfolger: Das Quartett aus Karlsruhe sorgte zu Herbstbeginn 2024 mit „Forgotten Ways“ für etwas Aufsehen. Als angehende Meister der Melancholie und Düsternis vermischten sie Psychedelia mit Post Rock und ruppigen schwarzmetallischen Ausritten. Dieser durchaus cineastische Ansatz bekommt mit „Brandung“ nun seine nicht minder packende Fortsetzung.
Dass ausgerechnet „Keep Me Down In The Deep“ versucht, tiefsten Tiefen zu entsteigen, hat Methode, wenngleich die Wucht und Intensität des Tracks nicht von schlechten Eltern ist. Das liegt natürlich weiterhin an der faszinierenden Stimme von Jules, die mitten ins Herz trifft und das Innerste nach außen holt. Doch auch rein instrumental passiert hier viel Gutes, wenn bittere Süße und Melancholie mit Post-Black-Ansätzen kollidieren, ohne jedoch den imaginären Schalter umzulegen – eine nahezu konstanter, wenngleich sympathischer Ritt auf der Rasiermesserklinge, der eigentlich nur durch ein Fade-out aufgelöst werden konnte.
Der Titelsong „Brandung“ ist ebenfalls nicht von schlechten Eltern. Hier rücken Coltaine die musikalische Unruhe weiter in den Vordergrund und lassen zwei Herzen in dieser Brust schlagen. Finstere, fast doomige Töne und heisere Growls gewinnen Oberwasser, bevor fiese, erdrückende Black-Metal-Ausritte nahezu in die Knie zwingen. Diese leicht nervöse, doch stets sehr aufregende Grundstimmung bleibt durchgehend erhalten, selbst im nachdenklichen, klaren Abgang. Der ellenlange, behutsame Aufbau von „Above The Burning Sand“ lebt hingegen von Post-Rock-Mustern, spielt gekonnt mit Laut-Leise-Dynamik und arbeitet auf einen kathartischen Höhepunkt hin, der jedoch ausbleibt. Auch das hat Methode.
Letztlich ist doch der Weg nicht nur Ziel, sondern das eigentliche Highlight an diesem Zweitling, der sich nahezu konstant auf der Suche nach etwas befindet. Was genau, das lässt sich nicht so leicht sagen. Dennoch begleitet man Coltaine liebend gerne auf ihren atmosphärisch aufgeladenen Spaziergängen durch unwirtliche Welten. „Brandung“ ist die perfekte Überschrift für dieses zweite Album, das ebenso zart und ominös wie aufbrausend und zerstörerisch sein kann, stets im Bewusstsein der umgebenden Kräfte und der nahenden Katastrophe, jedoch von unbestrittener Schönheit durchzogen. Seine Frühform bestätigt das Quartett auf eindrucksvolle Weise.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 05.09.2025
Erhältlich über: Lay Bare Recordings
Website: coltaine-band.com
Facebook: www.facebook.com/coltaineband


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