Årabrot – Rite Of Dionysus

(c) Årabrot
Die Wundertüte Årabrot schlägt wieder zu. Was es wohl dieses Mal zu hören gibt? Von klassischem Noise Rock haben sich Kjetil Nernes und Karin Park zuletzt immer weiter entfernt; Post Punk, Alternative Rock, doomige Düsternis und kunstvolle bis poppige Gebilde begleiteten das Geschehen. Das ist dieses Mal nicht anders: „Rite Of Dionysus“ entstand in denselben Sessions wie der Vorgänger „Of Darkness And Light“, unterbrochen durch Nernes‘ Auftritt beim Wembley-Tribute-Konzert für Taylor Hawkins. Sowohl die Zeit unter einigen der größten Rockstars der Welt als auch elementare Themen wie Verlust, Verwandlung und Introspektive bestimmen das Geschehen.
Bestes Beispiel dafür ist „Rock’n’Roll Star“, das in jeder Hinsicht wie von einem anderen Stern wirkt. Årabrot setzen dafür auf Dream-Pop, Shoegaze und etwas Art Rock. Auf butterweichen Schwingen lässt sich Nernes durch einen Fiebertraum tragen, Parks Stimme sucht später nach Vernunft und versucht doch vergeblich, zurück auf den Boden der Tatsachen zu holen. Dort wartet bereits „Death Sings His Slow Song“, das tatsächlich mit Slowcore anbandelt, den mittlerweile vertrauten Dark Rock hinzuholt und wie die Gothic-Antwort auf Low klingt – ein ellenlanger, herrlich reduzierter Trauermarsch voller ungefilterter Schönheit.
Der hoffnungsvolle, bestimmte und grimmige Auftakt „I Become Light“ zeigt hingegen falschen Propheten den Mittelfinger, steigt in neue Sphären auf und hat etwas von einem Requiem, von der Suche nach einem zweiten Leben. Der Protagonist nimmt „A Different Form“ an, begleitet von schleppendem Rock und greifbarer Heavyness, dramaturgisch wertvoll und gespenstisch zugleich. Ein Kuriosum ist „Of Darkness And Light“, der verspätete Titelsong des Vorgängers. Der technoide Unterbau, gemeinsam mit Nernes‘ giftigen, furiosen Vocals, erinnert schon mal an Industrial oder EBM. Später kommt die Band auf einem „Pedestal“ an und überrascht mit Psychedelia, passt zur unwirklichen Stimmung des gesamten Albums.
Schräg waren Årabrot immer schon, doch nimmt das hier neue Dimensionen an. Es ist die wohl x-te Transformation der Band, die sich dennoch ihren ursprünglichen Charme behalten kann, wenngleich abermals mit neuen, frischen und aufregenden Mitteln. „Rite Of Dionysus“ lebt von Süße und Schwere, selbst inmitten poppiger Reduktion, und schafft es tatsächlich, aufregend anders zu klingen. Man weiß immer, wer hier Lärm macht, schätzt den mutigen Aufbruch zu neuen Ufern und fühlt sich zugleich in dieser engmaschigen Auseinandersetzung mit elementaren existenziellen Themen bestens aufgehoben. Årabrot bleiben Garanten für eindrucksvolle, einzigartige Happenings.
Wertung: 8/10
Erhältlich ab: 29.08.2025
Erhältlich über: Djura Missionshus / Dalapop
Facebook: www.facebook.com/ARABROT


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