Starless – Hope Is Leaving You

| 10. September 2021 | 0 Comments
Starless

(c) Chris Eichenseer

Der Nachthimmel ist frei von Sternen, öffnet sich der endlosen Dunkelheit und erstickt das Sein. So oder so ähnlich fühlt es sich an, wenn Starless loslegen. Hinter dem Quartett aus Chicago stecken aktuelle und ehemalige Musiker*innen so illustrer Bands wie Beak, Timeout Drawer und Our Earth Is A Tomb. Das erste Album hat bereits fünf Jahre auf dem Buckel und wirkt wie aus einer anderen Zeit, denn der atmosphärische Sound der US-Amerikaner, behelfsmäßig der Post-Rock-Großfamilie zugeordnet, wuchs seither gewaltig an. „Hope Is Leaving You“ bringt das Mantra des Titels präzise in die Musik ein.

Als Leitmotiv dient das menschliche Befinden im Spannungsfeld mit den kolossalen Urgewalten der Natur – wuchtig, zerstörerisch und isolierend, aber auch erhellend und wunderschön. Tatsächlich passt das perfekt zum Sound, dessen puristische Intensität unter die Haut geht. Alle vier Mitglieder greifen zum Mikrofon – mal gemeinsam, mal für sich – rundherum entstehen monolithische Arrangements, deren Intensität oft die Grenze des Erfassbaren und Begreifbaren überschreiten. Bereits das eröffnende „Pendulum“ tut genau das, wenn sich der folkig-meditative Anfang in eine Höllenabfahrt mit bärbeißiger, schwermetallischer Dynamik zwischen Sludge und Prog verwandelt, nur um schließlich zu beklemmendem Post-Americana zurückzukehren.

Die wiederholte, unwahrscheinlich präzise Häutung dieser sieben Kapitel erregt Aufsehen. Wie „Devils“ immer wieder verzerrte, entstellte Wuchtbrummen mit Art-Rock-Einschlag auspackt, deren ellenlange Zäsuren zwischendurch direkt die Seele durchbohren, begeistert ebenso wie der recht typische Post-Rock-Aufbau von „Citizen“. Gefühlt ewig arbeiten Starless auf den großen Moment hin, deuten immer wieder monumentale Größe an, nur um schließlich einen der härtesten Parts der gesamten Platte auszupacken. Post-Hardcore und Sludge-Rock geben sich die Klinke in die Hand, umgeben von gespenstischer Stimmgewalt.

Eben diese Eigentümlichkeit zwischen Low, U.S. Christmas und Kylesa trägt entscheidend zum besonderen X-Faktor des Zweitlings bei. „Hope Is Leaving You“ steuert laufend frische Ufer an, deren konsequente Unvorhersehbarkeit sich schnell zur größten Stärke entwickelt. Folkig, rockig und metallisch, brachial und überwältigend, aber auch gespenstisch und betörend – ein überwältigendes Mischmasch an Gefühlen begleitet Starless auf zuweilen magischen Pfaden. Selbst nach unzähligen Durhcläufen bleibt das Album zu einem gewissen Teil mysteriös, aber eben auch wunderschön – eine sperrig-harmonische Grenzerfahrung, die schlicht und ergreifend erlebt werden muss, die sich jeglichen Jubel mehr als verdient.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.09.2021
Erhältlich über: Eigenvertrieb

Facebook: www.facebook.com/starlessad

Slider-Pic (c) Chris Eichenseer

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Category: Magazin, Reviews

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