Impure Wilhelmina – Antidote

| 21. Mai 2021 | 0 Comments
Impure Wilhelmina

(c) Mehdi Benkler

Seit mittlerweile 25 Jahren entwickeln Impure Wilhelmina ihren düster-metallischen Ansatz, bevorzugt mit dem Post-Präfix versehen, konzentriert weiter. Die Schweizer Institution um Gründer und Mastermind Michael Schindl spielt mit Grenzen und Erwartungen, und ist nie um frische Ideen sowie unerwartete Wendungen verlegen. „Antidote“, das nunmehr siebte Album der Band, versteht sich dem Titel entsprechend als Mittel gegen die dunkle Seite des menschlichen Geistes.

Einsamkeit bestimmt den Auftakt dieser Platte, „Solitude“ trägt sie sogar im Songtitel. Während das Hauptriff wie Black Metal im Zeitlupentempo klingt, widmet sich der übrige Track süßlicher Schwere zwischen Doom-Blei und schwelgender Melancholie. Impure Wilhelmina verstehen es perfekt, sich in den Leiden des Seins zu suhlen, ohne dabei selbstverliebt zu klingen. Der sich wiederholt entblätternde Auftakt beherrscht das perfekt, ebenso das folgende „Midlife Hollow“. Aus der eigenen Leere erhebt sich ein großer Chorus mit Schindls sehnsüchtigen Vocals, nur um im Anschluss von technischem Anspruch instrumentaler Natur torpediert zu werden. Plötzlich nähern sich die Schweizer komplexen Prog-Sludge-Strukturen. Auch diese Rechnung geht auf.

Anstatt sich auf eine bestimmte Richtung festzulegen, wirken Impure Wilhelmina zwischen diversen Extremen hin- und hergerissen, passend zum Konzept dieser Platte, das angesichts der Corona-Pandemie nur an Bedeutung gewinnen konnte. So breitet „Unpredicted Sky“ zunächst aggressive, geifernde Schwingen aus, verkehrt fatalistische Blackened-Death-Wut jedoch laufend in das Ansingen gegen die erdrückende Schwere der eigenen Existenz. Hingegen zieht „Jasmines“ das Geschehen mit Gothic-, Gaze- und Ambient-Elementen von einer anderen Seite auf, die schließlich in bester Antimatter-Manier an Intensität gewinnt. Die emotionale Oberflächenspannung droht zu kippen, das Seelenleben kollabiert mit Gusto.

Zwischen Sehnsucht und Sinnsuche blühen Impure Wilhelmina ein weiteres Mal auf. Nein, von einem x-ten Frühling kann man kaum sprechen, schließlich dominiert hier eine herbstliche Winterpalette, die in Novemberpanik zu kippen scheint. Leuchtende Farben und deprimierende Grautöne torpedieren die Seele. Ist „Antidote“ wirklich das erhoffte Gegenmittel? Tatsächlich kann man sich in dieser Platte wunderbar verlieren, in diesem kleinen Schatz, der großzügig mit den eigenen Grenzen umgeht. Auch nach einem Vierteljahrhundert bleiben Impure Wilhelmina eine Bank.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.05.2021
Erhältlich über: Season of Mist (Soulfood Music)

Website: impurenet.com
Facebook: www.facebook.com/impurewilhelmina

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Category: Magazin, Reviews

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