Psychlona – Venus Skytrip

| 20. August 2020 | 0 Comments
Psychlona

(c) Ripple Music

Wenn Psychlona etwas nicht mögen, dann ist es wohl Untätigkeit. Drei Jahre arbeiteten die Briten an ihrem Debütalbum „Mojo Rising“, dessen Stoner- und Desert-Riffs seit 2018 nachhallen, zahlreiche Festivalauftritte und Support-Slots einbrachten. Im vergangenen Herbst und Winter kehrte man zurück ins Studio, um eine neue Platte für die anstehenden Live-Aktivitäten einzuspielen. Diese mussten zwar erst einmal verschoben werden, den Zweitling „Venus Skytrip“ gibt es dennoch schon auf die Lauscher.

Ihren vielleicht stärksten Song feuern die Herren aus West Yorkshire gleich zu Beginn ab, und dann nennt sich das Stück auch noch „Blast Off“. Dass es eine ganze Weile dauert, bis der Track loslegt, passt irgendwie ins Bild. Die heulende Gitarre – egal ob in ruhigen Jam-Passagen oder im Herzen dicker Gitarrenwände – zieht sich wie ein roter Faden durch den Track. So umweht dieses Epos etwas Mystisches, Unnahbares und zugleich Verführerisches, während rundherum Fuzzpedale durchgetreten, röhrende Vocals losgelassen, wilde Tempoverschiebungen zelebriert werden. Der Song verblüfft kurz, macht mit seiner launigen Schwere allerdings einiges her.

Ein weiteres Glanzstück ist „Resin“. Hier leben Psychlona ihr Faible für Dynamik aus und schneidern rund um einen harten, wuchtigen Kern erfrischende Gemächlichkeit zwischen Transistor-Party und Desert-Psych. Die kurzen, ruppigen Eruptionen beuteln wach, bevor es wieder lässig und gefühlvoll wird. Zwischendurch schmeißt „Star“ sämtliche Konventionen über Bord und serviert in vergleichsweise knapp bemessenen vier Minuten direkten Rock mit purer Heavyness, bluesigem Gefühl und obligatorischer Stoner-Kante. All das mündet schließlich im endlosen Epos „The Owl“, ein wahrer Gigant in jeder Hinsicht. Die Briten nehmen das Tempo fast komplett heraus, zerdrücken förmlich mit ihrer Wucht und holen sogar das Heulen des Openers für eine kleine Cameo-Performance zurück. Selbst ein Hauch von Space Rock mischt mit.

Letztlich entpuppt sich „Venus Skytrip“ als bekömmliche Wahnsinnstat, auf den ersten Blick unnahbar und doch so heimlig, so einladend. Die Desert-Breitseiten der Briten dehnen sich immer weiter aus – mal bärbeißig und heavy, dann wieder smart und gefühlvoll – arbeiten mit spannenden Riffs und ungewöhnlichen Ansätzen. Vom penetranten und dennoch harmonischen Heulen bis zur Stoner-Breitseite bringen Psychlona alles mit, oftmals ausladend, spacig und leicht abgehoben. Hier gibt es an jeder Ecke und an jedem Ende Spektakuläres zu entdecken – ein majestätischer Trip der redseligen Art, gefühlt drei Mal zur Venus und zurück.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 21.08.2020
Erhältlich über: Ripple Music

Website: psychlona.com
Facebook: www.facebook.com/Psychlona

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Category: Magazin, Reviews

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