Grey Daze – Amends

| 24. Juni 2020 | 0 Comments
Grey Daze

(c) Tom Preston

Bevor er mit Linkin Park Weltruhm erlangte, veröffentlichte Chester Bennington mit Grey Daze zwei Platten im Post-Grunge-Bereich. Bennington und Bandgründer / Schlagzeuger Sean Dowdell blieben sich die Jahre hindurch freundschaftlich verbunden, 2017 sollte es zum 20. Geburtstag des Zweitlings „…No Sun Today“ mit neuem Line-up ein Comeback samt Album-Aufnahme und Live-Show geben. Benningtons Suizid schien diese Pläne zu verwerfen, doch bemühte sich Dowdell – mit dem Segen von Chesters Witwe Talinda – um die Fertigstellung des Albumprojektes. Nun ist „Amends“ endlich hier.

Bennington-Fans dürfte die Tracklist bekannt vorkommen, schließlich handelt es sich hierbei um Tracks der beiden Alben aus den 90ern. Das neue Line-up spielte die Songs neu ein und holte teils unveröffentlichte Vocal-Takes des Sängers aus dem Archiv. Musikalisch bewegt man sich im Post-Grunge- und Alternative-Rock-Feld, dem Zeitgeist entsprechend. Das eröffnende „Sickness“ ist der erste Wellenbrecher – düster, kompakt und auf angenehme Weise bedrohlich. Die Stimme sorgt für Gänsehaut, das Arrangement ist kurzweilig und richtig schön wuchtig – kein Wunder, dass es weniger später auf gemeinsame Bühnen mit Bush und No Doubt ging. „The Syndrome“ bringt mit etwas getrageneren Tönen und wachsender Intensität das Besondere der Band auf den Punkt.

Ein weiteres Highlight ist „Morei Sky“ – kaum zu glauben, dass dieser Song von einem 17jährigen Chester Bennington eingesungen wurde. Die bewegende Klavier-Untermalung, das Hoffen auf eine zweite Chance sorgen für Gänsehaut. In „Soul Song“ macht sein ältester Sohn Jaime ein nicht minder bewegendes Debüt, zudem schließt sich mit einem Gast-Auftritt von Bush-Gitarrist Chris Traynor der 90er-Jahre-Kreis. „Sometimes“ überstrahlt jedoch alles. Der Aufbau ist so einfach wie genial, der Refrain explodiert gleich mehrfach und ist doch herrlich zurückgenommen. Mit ausgesuchter Reduktion gelingt Grey Daze Gewaltiges. Das druckvolle, finstere „B12“ mit doppelter KoRn-Unterstützung und das deutlich von Soundgarden beeinflusste „What’s In The Eye“ wollen ebenfalls nicht unerwähnt bleiben.

Natürlich lässt sich eine gewisse Sentimentalität, eine große emotionale Last beim Durchhören dieser alten, neuen Songs nicht von der Hand weisen. Sieht man „Amends“ also durch rosarote Brillen der Verzweiflung? Mitnichten, denn die Songs, die Aufnahmen und die Performance reißen tatsächlich mit. Zwischen Zeitgeist und den Wurzeln dessen, was später Linkin Park beflügeln sollte, bietet sich ein kerniges Rockalben mit bewegenden Texten und einem großartigen Sänger, der viel zu früh die Bühne verlassen hat. Das wird beim Durchhören dieser packenden Platte immer wieder aufs Neue deutlich.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 26.06.2020
Erhältlich über: Loma Vista Recordings / Concord Records (Universal Music)

Website: greydazemusic.com
Facebook: www.facebook.com/realgreydaze

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Category: Magazin, Reviews

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