Calligram – The Eye Is The First Circle

| 8. April 2020 | 0 Comments
Calligram

(c) Nick Sayers Photography

Ein aus Liebe geborenes Album als Reaktion auf Chaos und widrige Umstände – was wie ein Mission Statement zum Status Quo klingt, bezieht sich tatsächlich auf das Leben der Mitglieder von Calligram. Das multinationale Quintett aus London mit Mitgliedern aus Großbritannien, Brasilien, Frankreich und Italien stieg binnen kürzester Zeit zu großen Hoffnungsträgern im Black-Metal- und Blackened-Hardcore-Sektor auf. „The Eye Is The First Circle“ bestätigt die Vorschusslorbeeren nun abermals auf Albumlänge.

So etwas wie eine Warnung braucht es nicht, stattdessen stoßen sich Calligram sofort in den Mittelpunkt des Geschehens. In „Carne“ brodelt es von der ersten Sekunde an, die mit Core-Elementen ausgestatteten Black-Metal-Riffs kochen über und harmonieren prima mit dem fiesen Gekeife. Schnell macht sich apokalyptische Stimmung breit, die nächste Katastrophe ist nah. Wütende Passagen rasanter (und rasender) Action in verschiedenen Eskalationsstufen treffen auf ausgewählte Zäsuren, auf kurzes Verschnaufen. Und schon geht der Höllenritt von vorne los und spitzt sich immer weiter zu.

Die eierlegende Wollmilchsau wird zum steten Begleiter, wenn „Kenosis“ den Hardcore-Anteil stärker betont und mit verkrustetem Dreck durch zwei ruppige Minuten reitet, bevor weitläufige Klangflächen das Pferd von hinten aufzäumen. Es wird ruhiger, fast schon nachdenklich, dennoch stets von knisternder Spannung und fieser Lautmalerei in bester Oathbreaker-Manier begleitet. Dieses Wechselspiel zieht sich durch weite Stellen des Albums und nimmt in „Un Dramma Vuoto E Insanabile“ zunächst durchaus post-metallische Dimensionen an, bevor es laut, kratzbürstig, schroff und wohlig abartig wird.

Eben jene Wechselhaftigkeit, bei überwiegendem Operieren in Nähe des Anschlags, macht „The Eye Is The First Circle“ zum nervenzehrenden Leckerbissen. Der Wahnsinn ist steter Begleiter von Calligram und entlockt Gevatter Black Metal neue Facetten. In Verbindung mit Hardcore und Post Metal ergeben sich neue dynamische Dimensionen, geschmackvolle Wutproben und ein klein wenig beklemmende Entspannung dazwischen. Und ja, hier steckt tatsächlich Liebe drinnen. Man muss sie nur herauszuhören wagen.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 10.04.2020
Erhältlich über: Prosthetic Records

Facebook: www.facebook.com/calligrammusic

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Category: Magazin, Reviews

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