Omega Infinity – Solar Spectre

| 26. März 2020 | 0 Comments
Omega Infinity

c) Photo: Michael Braun, Edit: Xenoyr

Nachdem Todtgelichter 2018 auf Eis gelegt wurden, suchte sich Tentakel P. ein neues Betätigungsfeld. Die neue Spielwiese sollte Platz für düstere, deutlich aggressivere Ansätze bieten, welche mit der bisherigen Hauptband unmöglich gewesen wären. Gemeinsam mit Xenoyr von Ne Obliviscaris gründete er Omega Infinity. Rasender Black Metal mit 90s-Schlagseite und Faible für interstellare Gefilde landet nun auf „Solar Spectre“, eine Art vertonte Reise durch das Sonnensystem und darüber hinaus.

Was diese Platte spannend macht, ist allerdings nicht (nur) der furiose Sturmlauf, sondern die Luft dazwischen. „Mars“ illustriert dieses Spannungsverhältnis perfekt, denn die brachiale, brutale High-Speed-Action findet wiederholte, nahezu nachdenkliche Unterbrechungen mit manischen Chants und elektronischen Untertönen – eine Art Auge des Sturms mit deutlicher Industrial-Ausprägung. Die nächste Explosion folgt jedoch prompt und sogar heftiger als zuvor.

In diesem abgefuckten Spannungsverhältnis fühlen sich Omega Infinity hörbar wohl und variieren schon mal die Formel. Echte Wutausbrüche lässt „Neptune“ vermissen, stattdessen wird es spirituell und proggy mit elegischen Klangflächen und dem bewegenden Klargesang von Marta (Todtgelichter). Im Gegensatz dazu mutet „Venus“ wie manisches Dauerfeuer an, lässt Xenoyr ordentlich Platz für seine kehligen Growls und fauligen Screams. In „Jupiter“ schleichen sich einzelne bewegende Momente ein, erhabene Ausflüge mit Screams von C.Kolf (Valborg), wenige Sekunden später erneut explodierend. Die brachiale Härte findet schließlich in „Terra“ einen beklemmenden Höhepunkt.

Oberflächlich brachial und abgefuckt, dahinter mit der feinen Klinge und sogar einem Hauch Space-Prog agierend: „Solar Spectre“ entfaltet seine Strahlkraft erst auf den zweiten und dritten Blick. Während der rasende Blastbeat-Black-Metal so und so über jeglichen Zweifel erhaben ist, machen die Feinheiten dazwischen das Debüt von Omega Infinity speziell. Statt gutklassiger Stangenware setzt es manische Energie, rasende Wut, cleveren Spielwitz und packende Sinnsuche, meist in ein- und demselben Song. Schönes (bzw. schön abstoßendes) Ding.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 27.03.2020
Erhältlich über: Season of Mist (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/thedeepdarkvoid

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Category: Magazin, Reviews

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