Iskald – Innhøstinga

| 28. August 2018 | 0 Comments
Iskald

(c) Kristian Nyheim Hanssen

Ein klein wenig hatte man sie schon vermisst nach dem genialem „Nedom og Nord“: Mit ihrem ersten Album in Landessprache starten Iskald vor viereinhalb Jahren so richtig durch. Der zerstörerische und doch melancholisch angehauchte Black-Metal-Sound der Norweger traf vollends ins Schwarze. Darauf möchte man nun aufbauen und setzt den eingeschlagenen Weg auf „Innhøstinga“ (dt. „die Ernte“) schnurgerade fort.

Ellenlange Songs, ein Hauch von Sturm & Drang, zerstörerische Urkräfte und – natürlich – epische Untertöne statten das mittlerweile fünfte Studioalbum gebührend aus. Wie dieser Spagat zwischen all den für sich bereits faszinierenden Extremen funktionieren kann, illustriert „De Siste Vintre“ recht gut. In sechseinhalb Minuten bauen Iskald klamme, frostige Klanglandschaften auf. Die Gitarren erzittern förmlich, die Rhythmusabteilung rumpelt ordentlich und die kehligen Vocals fahren unter die Haut. Frostige Sprints und feine, geschickt eingestreute Melodien zerren in gleich mehrere Richtungen. Das birgt ein gewisses Maß an Explosivität in sich, zumal das Quartett ein an sich schlichtes Motiv weiter und weiter intensiviert, bis die Spannung beinahe unerträglich wird.

„Lysene Som Forsvant“ erweist sich als melancholisches Meisterstück und punktet zugleich mit richtig schön furiosem Epic Black Metal. Iskald bohren sich förmlich in diesen Song hinein, breiten monumentale Melodiebögen aus und sprengen Genre-Grenzen. Falls das Puristen zu ’nett‘ sein mag, nun ja, eigentlich egal. Es gibt aber auch wütende, schroffe Tracks, wie den Opener „The Atrocious Horror“. Hier setzt es schwarzmetallische, ungefilterte Urgewalten in wachsender Intensität. Ähnlich stark, wenngleich breiter aufgestellt, gibt sich das mit klirrend-kalten Gitarren ausgestattete, zuweilen überlebensgroße „Even Dawn Drew Twilight“.

Zwar gelingt es nicht so ganz, dieses stellenweise gewaltige Niveau über die volle Spieldauer zu halten – das kennt man bereits von der letzten Platte -, und doch macht „Innhøstinga“ ein weiteres Mal richtig viel sehr, sehr richtig. Brachialgewalt, die feine Klinge, ordentlich Weltschmerz und pointierte, epische Töne tragen voran in den nahenden Winter. Iskald machen den Bandnamen abermals zum Programm und rechtfertigen die lange Wartezeit mit einem dicken, komplexen und doch unwahrscheinlich starken Album.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 31.08.2018
Erhältlich über: Indie Recordings (Soulfood Music)

Website: www.iskald.net
Facebook: www.facebook.com/iskaldofficial

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Category: Magazin, Reviews

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