With The Dead – Love From With The Dead

| 22. September 2017 | 0 Comments
With The Dead

(c) Ester Segarra

Kommenden Juni feiert Lee Dorrian seinen 50. Geburtstag. Anstatt so etwas wie Altersmilde zu zeigen, will es der Grind-Urvater und Doom-Veteran noch einmal wissen und legt mit With The Dead kräftig nach. Auf das bleierne Debüt folgt nun ein noch brachialerer Nackenschlag, unterstützt von Alex Thomas, der unter anderem „Mercenary“ von Bolt Thrower eintrommelte, sowie vom langjährigen Cathedral-Bassisten Leo Smee. „Love From With The Dead“ entpuppt sich als eine der hässlichsten und doch schönsten Platten des Jahres.

Alle sieben Songs wurden binnen kürzester Zeit, wenngleich über ein Jahr verteilt, eingeklopft. Sieben Songs in 66 Minuten – da bekommt man schon beim bloßen Lesen Ohrensausen. Genau das stellt sich spätestens im abschließenden „CV1“ ein. Weit über 17 manische Minuten treiben die With The Dead-Formel an die Grenzen des Machbaren. Dorrians Vocals klingen so gefährlich und beschwörend wie zu besten Cathedral-Zeiten, die Rhythmusabteilung marschiert stoisch zu dicken, entstellten Riffs, und das Electro-Noise-Finale von Konzeptkünstler Russell Haswell macht schließlich den gezackten Deckel auf eine bizarre wie lohnenswerte Grenzerfahrung.

Ganz so kaputt und abgewrackt geht es sonst vielleicht nicht zu, wohl aber ähnlich heavy. Auf „Egyptian Tomb“ schraubt das Quartett den Lautstärkenpegel erneut in besorgniserregende Höhen, begleitet von süßlich-beißenden Riffs und mächtigen Donnerschlägen. Dorrian gibt wechselweise den Geschichtenonkel und besessenen Prediger, manische Züge inklusive. „Watching The Ward Go By“ kehrt hingegen eine klassische Genre-Formel um und stellt Outro-artige Klänge voran, dehnt diese aus und verklärt siee zur avantgardistischen Arrangement-Variation, bevor schließlich die restliche Band mit aller Vehemenz einsetzt und die zweite Hälfte unheimlich, unnachgiebig laut gestaltet.

Wenn Lautstärke Sünde sein kann, wären With The Dead die wohl jenseitigste Versuchung der aktuellen Doom-Szene. „Love From With The Dead“ pulverisiert Trommelfelle und reitet fiese Attacken auf die geistige Gesundheit. Gelegentlich kann dieses zweite Album dieser durchaus legendären Musiker schon mal überfordern, aber in dieser Überbeanspruchung der menschlichen Auffassungsgabe liegt gewissermaßen Methode. Eine wütendere, schwerere Doom-Platte wird man so schnell wohl nicht hören.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 22.09.2017
Erhältlich über: Rise Above Records (Soulfood Music)

Facebook: www.facebook.com/withthedead

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Category: Magazin, Reviews

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