Halma – Granular

| 19. Oktober 2015 | 0 Comments
Halma

(c) Kapitän Platte

Der richtige Kegelsprung und der Einzug ins gegnerische Haus wollen gelernt sein. Mit dem beliebten Brettspiel haben Halma aus Hamburg aber nur den Namen gemein. Die deutschen Nachbarn verstehen sich bereits seit 1999 auf rein instrumentalten Post Rock mit dezent krautigen Untertönen – ganz ohne Sprunghaftigkeit. „Granular“ ist bereits ihr sechstes Studioalbum und vertont „das Innenleben des Weltraums“ mit zart mäandernden Spannungsbögen.

Die Art und Weise, wie über sechs Songs hinweg feinsinnige, zarte Klangmikrokosmen, sanftem Wellengang gleich, über die Arrangements gleiten und tänzeln, ringt höchste Bewunderung ab. Mit beneidenswertem Geschick und einem Ohr für ruhige Leerstellen gestalten sich aufregende Erlebniswelten, ausgelöst durch das mit einem Video versehene „Deep White“. Der über acht Minuten lange Opener scheint, oberflächlich betrachtet, eine Ansammlung von Nichtigkeiten zu sein. Es passiert herzlich wenig, die Instrumentierung rollt nur langsam an, die für das Genre so typischen emotionalen Ausbrüche bleiben aus, übrigens bei jedem einzelnen Track.

Und doch ist das, was hier passiert, so eindrucksvoll, aus tiefstem Herzen schön – obwohl „Deep White“ für sich eigentlich nachdenkliches Kargland darstellt, seine Kraft aus der Tiefe eines stoischen Basslaufs bezieht und mit sphärischen, entrückten Gitarrenklängen verstörendes Fernweh erzeugt, in die Tiefen der kosmischen Landschaft eintaucht. Ähnlich feinsinnig, für Halma-Verhältnisse beinahe hibbelig gestaltet sich übrigens „Dirt Devils“. Auch hier zaubert die Rhythmusabteilung einen leicht befremdlichen Gummitwist, über den nach Sinn suchende Gitarren tänzeln.

Mit einer Reise in die Unwirklichkeit des kosmischen Seins wirken Halma dennoch zu jeder Zeit fest auf der Erde verankert, keinesfalls abgehoben und fügen ihrer bereits illustren, aufregenden Diskographie mit „Granular“ ein weiteres attraktives, erzählendes Kapitel hinzu. Wer seinen Post Rock etwas ruhiger, forschender, introvertiert mag, findet in den vier Hamburgern neue Freunde.

Wertung: 8/10

Erhältlich ab: 23.10.2015
Erhätlich über: Kapitän Platte (Cargo Records)

Website: www.halma-music.com
Facebook: www.facebook.com/halma.music

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Category: Magazin, Reviews

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